dunkelrote und gelbe Weinblätter an herbstlichen Rebstöcken

Bassena - unser Blog. Viel Spaß beim Lesen!

Handels-Servicewüste Wien Freitag 2014-09-26

Als würden sie sich vor uns fürchten. Als wären wir unerwünscht. Als würden sie uns gar nicht wahrnehmen. Oder nicht wahrnehmen wollen. So kamen meine beiden Kinder und ich uns vor, als wir uns gestern am Nachmittag zum obligaten Herbst-Shoppen aufmachten. Also ein paar

Mariahilfer Straße, Wien

Dinge besorgen wollten, die Jugendliche für den Herbst halt so brauchen.

Wer »sie« sind? Die Verkäuferinnen und Verkäufer in diversen Geschäften auf der Mariahilfer Straße. Gleich vorweg: Ich zähle mich zu den Menschenfreundinnen, bin meist gut gelaunt und freundlich und sehe in meinen Mitmenschen, also auch in Verkäuferinnen und Verkäufern, prinzipiell einmal mir wohlgesonnene Personen. Gestern wurde ich am laufenden Band enttäuscht.

Egal ob in diversen (großen) Schuh-, Mode-, oder Sportgeschäften, wirklich willkommen waren wir nirgends. Ein paar Szenarien gefällig? Ein Riesen-Schuhgeschäft, in dem im Untergeschoß viel Verkaufspersonal und kaum Kunden unterwegs waren. Wir duchsuchten (sichtlich!) stapelweise Schuhkartons nach der passenden Größe. Zwei Meter neben uns unterhielten sich zwei Verkäufer/innen (sichtlich!) gelangweilt und rührten kein Ohrwaschel. Wollten sie vielleicht gar keine Ware loswerden?

Nächstes Schuhgeschäft, diesmal im ersten Stock. Keine Kunden, ein Verkäufer. Wir (sichtlich!) auf der Suche nach etwas Bestimmten, er begrüßt uns (gezwungenermaßen, er kam gerade um die Ecke und lief uns quasi in die Arme) und verzog sich dann. Wahrscheinlich wartete er geduckt hinter dem Ladentisch, bis wir wieder weg waren. Ähnliche Szenarien in diversen Outlets der bekannten Modeketten. Dazu kam, dass ein klassisches Kleidungsstück wie der Dufflecoat zwar nicht ausgedient hat (wir wurden schlussendlich fündig), er Verkäufer/innen jedoch kein Begriff mehr ist. »Bitte was suchen Sie?«

Ich möchte unseren Blog nicht zur Jammerbühne umfunktionieren und vor allem keine oberflächlichen Schuldzuweisungen machen. Ich finde es nur erschreckend, wie unprofessionell die »Menschen am Kunden« sind, wie schlecht sie offenbar geschult und wahrscheinlich auch geführt werden und wie sehr sich die Unternehmen damit schaden. Weil 1.) definitiv Umsatz verloren geht und 2.) Kunden so kaum zu Stammkunden werden.

Meine Sicht der Dinge: Die Katze beißt sich im Handel in den Schwanz. Der Kostendruck ist enorm, ja, auch weil wir alle zu wenig für die Produkte bezahlen. Da wird dann auch beim Personal gespart. Und zu wenig Bezahlung und Wertschätzung schlagen sich halt schlussendlich beim letzten Glied in der Kette nieder. Blöd nur, dass es das Glied ist, das am unmittelbarsten an den (potenziellen) Kunden dran ist.

Ruth
Eingetrübt Freitag 2014-09-12
An ein derartiges Jahr wie dieses kann sich kein Winzer erinnern. Denn schon im Frühjahr kam es in manchen Gegenden zu massiven Hagelschäden in den Weingärten, mit Ausfällen bis zu 50 %. Und dann der verregnete warme Frühsommer, der die Weingärten zum perfekten Nährboden für Pilze machte.

Schlussendlich kam zur Nässe noch die Kälte, die Trauben konnten mangels Sonne und Wärme keinen Zucker ausbilden und Fäulnisgefahr drohte. Mit Fäulnis, Pilzkrankheiten und mangelnder Reife haben die Winzer nun auch zur Zeit der Lese der früheren Traubensorten wie Müller Thurgau und Zweigelt zu kämpfen. Viele sprechen von »Notlese«, manche von Totalausfall. Die Beeren sind vom Regen zum Platzen voll, die Häute weich. Viele Trauben platzen auch durch Pilzkrankheiten auf, und in Deutschland lehrt die Winzer ein frisch importierter Schädling das Fürchten, die Kirschessigfliege. Kein gutes Jahr!

In den wärmeren Regionen wie im Burgenland steht es um die Weinlese besonders schlimm. Im kühleren Weinviertel geht's noch so halbwegs, so auch im Kamp- und Kremstal. Aber die Chance auf ausgereifte gesunde Trauen ist auch dort gering, für die späteren Traubensorten darf man noch hoffen. Und wenn es nach dem Regen doch wieder warm werden sollte, steigt erneut der Pilzdruck. Pilze mögen es feucht und warm.

Schlimm ist es auch für alle Getreide- und Gemüsebauern. Den Feldfrüchten fehlt es wie dem Wein an Reife, Fäulnis droht auch hier. In den nördlichen Gebieten um Zwettl, Gmünd und Horn sind bereits ganze Roggen- und Weizenernten zerstört. Eine rasche rettende Maschinenernte ist wegen der nassen aufgeweichten Böden nicht möglich. Schlimm für alle Bauern, wenig angenehm wird es auch für uns. Die Preise werden steigen und die Fülle, aus der wir es gewohnt sind zu schöpfen, wird in der Form nicht mehr vorhanden sein. Schlimm für alle Wenigverdiener.

Wir wünschen allen Landwirten, Winzerinnen und Winzern, dass sich die Schäden in Grenzen halten und drücken die Daumen für eine halbwegs gute Hauptlese und -ernte! Für sie und auch für uns.

Nachtrag: Der Chef der ÖWM Willi Klinger verkündete im Ö1-Morgenjournal am Samstag, dass die gesetzlichen Bestimmungen für die heurige Weinlese bereits gelockert seien. Zucker- und Mostkonzentrat-Zugaben seien, um die Weinqualitäten zu retten, in höherem Maße möglich als in anderen Jahren. Wahrscheinlich wird man auch mehr entsäuern dürfen als üblich.

syl
Österreichs Pinots erobern die Welt Montag 2014-07-07
The Godness and Master of Wine Jancis Robinson hat in ihrer wöchentlichen Kolumne in der Financial Times ihre Stimme für den österreichischen Pinot Noir erhoben. Sie sagt: »Austria, until recently more readily associated with fine white wines, is enjoying a red-wine renaissance«. Weinviertler Weingarten von Egon Mark/ÖMW

Zugute kämen den Cool-Climate-Weinen aus Österreich die exorbitanten Preise in Burgund. Sie seien wie die Weinpreise in Bordeaux den Gaumen der Weinliebhaber nicht mehr zuträglich, weshalb diese nach Alternativen suchen. Und obwohl die Qualität der Pinots in Oregon, Kalifornien, Neuseeland und Australien in den letzten Jahren hinaufgeschnellt sei, könnten die Winzer dieser Weinbaugebiete sieben Jahrhunderte Erfahrung mit der schwierigen roten Burgundertraube nicht wettmachen. In Deutschland und Österreich hingegen haben bereits Mönche im mittelalterlichen späten 14. Jahrhundert diese Rebsorte kultiviert.

Entsprechend hoch sei das Know how mancher Winzer heute, auch wenn die Qualität der Pinots Ende der 1990er noch zu wünschen übrig gelassen habe. Speziell die deutschen »Spätburgunder« fand Robinson »gräulich rosa, ziemlich hart und gleichzeitig süßlich, damit die fauligen Töne übertüncht wurden«. Dann kam die globale Erwärmung, die deutschen Sommer wurden wärmer und trockener und die Trauben reiften besser und gesünder aus.

Und es kam die große Liebe der Winzer zu neuen Eichenfässern, die Lust der deutschen Weintrinker auf Rotweine wurde größer und die Pinot-Rebflächen wuchsen. Nach und nach und mit zunehmender Erfahrung wurde auch der intensive Holzeinsatz wieder zurückgenommen. Heute seien viele deutsche Pinots ausgewogen und eine ausdruckstarke Anwort auf die französischen.

Vieles ist eins zu eins für manche Weinbaugebiete Österreichs umzulegen. Das Klimatische sicher für das Weinviertel und generell das nördliche Niederösterreich, nicht für das Burgenland und die Thermenregion. Die Gegenden dort waren schon immer auf der eher warmen Seite daheim. In und für Österreich punkten seit Jahren generell der Zweigelt, St. Laurent und »rising star« Blaufränkisch, sie stünden für die Attribute des 21. Jahrhunderts: Frische und präzises Terroir. Das gilt vor allen Dingen auch für den Pinot Noir, der was die Rebfläche betrifft, weit hinter den anderen Rotweinsorten Österreichs liegt.

Janics Robinson hat erst kürzlich 28 österreichische Pinots und 11 St. Laurents, dem man ein Naheverhältnis zum Pinot nachsagt, verkostet. Robinson kann die Ähnlichkeit nicht nachvollziehen: »I must say I was struck by how dissimilar the two varieties tasted.« Die Pinots waren für sie sehr sortentypisch mit der süßen Frucht des Rebsorte, bei den Besten von ihnen fand sie Aromen nach Farn, Veilchen, Kräutern, roten Früchten, Pilzen und mineralischer »Steinigkeit«. Sie seien möglicherweise nicht ganz so komplex wie ihre deutschen Brüder und sicherlich nicht so edel wie die burgundischen, haben aber ihren Wert. Sie vergab den vier besten 17 von 20 Punkten, was wirklich gut ist.

Die früheren über-extrahierten und konzentrierten Pinots erinnerten sie tatsächlich an St. Laurent, das sei aber vorbei. St. Laurent sei grundsätzlich dünkler und blauer, weniger subtil und in vielen Fällen habe er einen kurzen Abgang.

Ihre 17-Pinot-Punkter kommen aus vier unterschiedlichen Regionen. Es sind dies:

• Ebner-Ebenauer, Black Edition, Weinviertel/Niederösterreich
• Fred Loimer, Langenlois Ried Dechant, Kamptal/Niederösterreich
• Gerhard Markowitsch, Reserve, Carnuntum/Niederösterreich
• Wieninger, Grand Select, Wien

Wir gratulieren! Und freuen uns über die Rotwein-Revolution aus Österreich.

Quelle: Financial Times. Freitag, 27. Juni

Foto: ÖWM/Egon Mark
syl

Wer werde ich gewesen sein? Sonntag 2014-06-22

Diese vor der Kamera herspazierende Graugans möchte einfach in Ruhe eine Graugans sein. Recht viel mehr wird sie mit ihrem Gänsehirn auch nicht hinkriegen.

Wir aber sind superclever. Wir haben jeden Tag und permanent die Möglichkeit/die Qual der Wahl. Wer möchten wir sein?

Und so fragt Harald Welzer, Professor für Transformationsdesign an der Universtität Flensburg und Direktor von Futurzwei.Stiftung Zukunftsfähigkeit in Berlin:

»Stellen Sie sich einfach vor, wie Sie dereinst die Frage beantworten wollen, wer Sie gewesen sind und welchen Beitrag Sie entweder zur Zerstörung oder zur Sicherung von Zukunft geleistet haben. Stellen Sie sich selbst im Tempus Futur zwei vor: Wer werde ich gewesen sein?«

.......................................................................................................................

»Ohne Zweifel das wichtigste Buch des Jahres, um es mal vorsichtig auszudrücken.« taz

Welzer, Harald. Selbstdenken. Eine Anleitung zum Widerstand. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 2013. S. 133.

syl

Ungerecht Freitag 2014-06-20
Schon klar, darüber zu diskutieren, was gerecht oder ungerecht sei, ist subjektiv wie nur was. Und schon klar, sich über Dinge zu echauffieren, die man selbst nicht steuern kann, ist relativ einfach und möglicherweise auch sinnlos. Trotzdem, die Schlagzeite des heutigen »Standards« macht nachdenklich. »Krise traf Österreichs Ärmste am stärksten, Reiche dagegen nicht.«
Titelblatt "Der Standard", 20. Juni 2014 

So ganz überraschend kommt es ja nicht, dass die Ungleichheit zwischen jenen, die (sehr) wohlhabend sind, und jenen, die das nicht sind, in den Industrieländern wächst und wächst. Eine aktuelle Studie der OECD hat nun konkrete Zahlen. So sei das verfügbaren Einkommen der obersten Verdienstgruppe in Österreich von 2007 bis 2011 jährlich um 1,5 % gestiegen. Das unterste Einkommenszehntel musste im selben Zeitraum auf 0,8 %, die Ärmsten sogar auf 1,61 % ihres Einkommens pro Jahr verzichten. In Summe steht dem Zehntel Bestverdienern 7,1-mal so viel zur Verfügung wie dem untersten Zehntel. Dieser Faktor ist allerdings um einiges niedriger als im OECD-Durchschnitt, dort macht er 9,6 aus, vor der großen Krise hielt er bei 9,3.

Erstmals am stärksten armutsgefährdet sind laut der Studie Menschen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren, bedingt durch die hohe Jugendarbeitslosigkeit in vielen Ländern. Die Gesamtarmutsgefährdung liegt in Österreich bei 9 %, vor der Krise betrug sie 7,2 %.

Ich bin keine Politikerin und hab schon gar keine Patentrezepte für all das, was uns gerade so beschäftigt, aber ein bisschen mehr Mut zur Veränderung stünde unseren Politiker/innen schon gut.

Quelle: Der Standard, 20. Juni 2014, Seite 20

Ruth

fav

syl  22.06.2014 22:29

very pleased to read, mr smith!

Some truly select blog posts on this web site , saved to fav. dadbdcefkdcgagac

Smithf274  22.06.2014 12:21

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Hier lässt sich's tratschen oder »havelundpetzen«. Wie früher an der Bassena, dem Wasserbecken in den Gängen der Wiener Wohnhäuser, wo oft der einzige Zugang zu Fließwasser war. Neues aus der Branche, Trouvaillen aus Küche und Keller, die besondere Lokalentdeckung und so manches, was uns am Herzen liegt, werden wir hier erzählen. Diskutieren Sie mit uns, widerlegen Sie uns oder noch besser, geben Sie uns Recht. Wir freuen uns auf jeden Fall auf Ihren Input!

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Wo wir waren und wo es uns gefallen hat. Gänzlich subjektive gastronomische Eindrücke ohne Sterne, Pünktchen und Gläser. Manchmal geht es aber auch um andere genussvolle Dinge.

> Bag-In-Box
Hier geht es um Dinge, die uns oder andere zu Recht oder Unrecht freuen oder ärgern aber auf jeden Fall bewegen. Wie der Bag-In-Box. Eine Schachtel mit Sackerl mit Flüssigkeit. In die man nun auch in Österreich Wein abfüllen darf. Was hitzige Debatten hervorruft.

Bag-In-Box also. Wussten Sie übrigens, dass sein antiker Vorläufer ein Schlauch aus Ziegenleder war und schon damals zur Aufbewahrung von Wein diente?

> Herr Rabl
Der Mann mit der feinen Klinge ist da. Alexander Rabl, pointierter Gastrokritiker des österreichischen Gourmet-Magazins A LA CARTE nun auch in der Bassena. Ab sofort und ohne Maulkorb. havel & petz übernehmen keine Haftung. Für den Herrn Rabl. Denn der Herr Rabl ist vollkommen unberechenbar.

> Grätzel
Wo es uns gefällt. Wir freuen uns über unser ruhig gelegenenes urbanes Büro im unteren Gumpendorfergrätzel. Denn hier in der Nähe des Naschmarktes tut sich's.

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Purple Wine
und ein herzliches Dankeschön an Jancis Robinson MW.

Wir freuen uns sehr, Ihnen hier Auszüge einiger Filme aus Jancis Robinson's Wine Course, ausgezeichnet mit dem James Beard Award, zeigen zu dürfen.

> Schweinemeise
Ein bisschen Speisenkarten-sprachbewahrerinnen möchten wir hier sein. Über entsprechende Beispiele aus dem In- und Ausland freuen wir uns ganz besonders!