Ein letzte Traube vor einem herbstlichen Weingarten

Bassena - unser Blog

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Eine kleine Entdeckung Sonntag 2015-09-13
Nun lebe ich seit mittlerweile 45 Jahren – mit ein paar kurzen und einer längeren Unterbrechung – in und in der Nähe von Wien. Und hab zeitweise das Gefühl, meine Stadt gar nicht richtig zu kennen. Manche Dinge gehen offenbar an mir vorüber. Oder ich an ihnen, je nach Betrachtungsweise. So wie am »Kleinen Diglas« am Fleischmarkt. Cafe Diglas Fleischmarkt
Ein Vormittag unter der Woche, am Programm ein Arzttermin in der Nähe vom Schwedenplatz. Die Sonne scheint, mir steht der Sinn nach Innenstadt und so fahr ich früher als notwendig los. Bekomme Lust auf einen Espresso und überlege mir, wo ich denselbigen einnehmen könnte. Und stelle fest, dass mir in dieser Gegend nicht wirklich was einfällt. Espressotasse
So schlendere ich mehr oder weniger ziellos dahin, biege von der Rotenturmstraße in den Fleischmarkt und entdecke das oben erwähnte »Kleine Diglas«. Und bin begeistert. Vom Interieur (okay, ein bissel kitschig, aber mir gefällt's), von der überaus freundlichen Kellnerin, vom formidablen Jour-Gebäck und vom cremigen Espresso. Cafe Diglas Fleischmarkt
Schön, immer was Neues zu entdecken!


Ruth

Gegen die Unmenschlichkeit Freitag 2015-08-28
In Zeiten wie diesen fällt es mir schwer, Genüssliches in unserem Blog zu veröffentlichen, von schönen Momenten, großen Weinen oder kulinarischen Erlebnissen zu erzählen. Immer öfter stellt sich mir die Frage, welches Recht wir eigentlich haben, im Luxus Österreichs zu leben. Mensch sein in Österreich

Daher folgt jetzt auch kein praktizierter Genuss, sondern die Bitte, im Kleinen und Großen - je nach Möglichkeit - Unterstützung zu leisten und schlicht und ergreifend Nächstenliebe und Menschlichkeit zu praktizieren.
Ein Zeichen setzen können wir alle am Montag, dem 31. August, bei der »Demo für Mensch sein in Österreich« ab 18 Uhr am Christian-Broda-Platz.

Hier gibt es die wichtigsten Infos, bitte in weiß gekleidet oder mit weißen Fahnen kommen. Auch wenn's nur ein Zeichen ist, je mehr wir sind, desto mehr können wir hoffentlich bewirken.

Und sonst einfach helfen, wo es geht und das Leben trotzdem genießen, die schönen Momente bewusst erleben. Wie schon im letzten Blog: Carpe diem.

Ruth
Kuchenbacken gegen Zukunftssorgen Dienstag 2015-07-21
Es liegt wohl auch ein Stück weit am Chaos auf unserem Planeten, an all den furchtbaren Meldungen, die wir Tag für Tag zu hören bekommen. Erst gestern, dass zig kurdische Jugendliche sterben mussten, weil sie Kindern in Kobane helfen wollten, die in einer zerstörten Stadt leben. IS, Griechenland, Syrien, Afrika und noch viel mehr. Ribiselsträucher
Je mehr solcher Nachrichten ich aufnehmen, desto mehr Sorgen über unsere Zukunft mach ich mir. Und desto dankbarer bin ich auf der anderen Seite für mein eigenes Leben. Und verspüre immer öfter »biedermeier-hafte« Tendenzen. Bleib gerne zuhause, koch und back, genieße die Ruhe. Wohl eine Art Abwehrhaltung. Ribisel
Jetzt kommt der Schnitt, der große Themenwechsel. Zum Ribiselkuchen meiner Oma. Die Sträucher sind längst geleert, die Ribiseln frieren im Tiefkühler vor sich hin. Oder wurden zu besagtem Kuchen verarbeitet, meinem Lieblingskuchen. Das Rezept teile ich hiermit, es ist einfach zu gut. Und wirklich einfach. Ribiselkuchen
Man nehme:
* 14 dag Butter

* 7 dag Zucker
* 2 Dotter
* 20 dag Mehl
Zu einem Teig verrühren, auf einem befettetem Backblech aufsteichen und hell backen.
* 4 Eiklar
* 1 Packerl Vanillezucker
* 20 dag Zucker
* ca. 1/2 kg Ribiseln
Auf den vorgebackenen Kuchen streichen und fertig backen, bis der Eischaum leichte Farbe annimmt.

Carpe diem.

Ruth

Letztens beim Biobauern Dienstag 2015-07-14

»Ich möchte als Biobauer zumindest so viel produzieren, wie die billig arbeitenden konventionellen Bauern. Meine Böden sind gesund und vital, ohne synthetische Dünger, die alles versalzen. Es muss also einfach so sein, dass ich zumindest genauso viel ernte, wie die von ihren kaputten ausgelaugten Böden.«

Ein Bio-Zwiebelfeld vor der Stockerauer Landschaft

Der Biobauer Christian Anzböck ist Pragmatiker. Biologische Vielfalt sucht man bei ihm vergebens, siehe das Zwiebelfeld hier oben rechts. Christian produziert für eine Supermarktkette Zwiebel und Erdäpfel und für die Fruchtfolge Weizen. Erst Zwiebel, dann Erdäpfel und danach zweimal Weizen.

Frisch geerntete Zwiebeln

Genau in dieser Reihenfolge, das ist wichtig. Speziell für die Zwiebeln. Kennengelernt haben wir einander im Seminar für Nachhaltigkeits-Management. Er war der, der oft Unruhe in die Vortragenden gebracht hat: »Das hat jetzt aber wirklich nichts mit der Realität zu tun.« Dafür mochten wir ihn. Mögen wir ihn.

Die Lagerhalle für die Zwiebel mit Palettenreihen

Würden alle Bauern sich um ihre Böden so sorgen wie er, könnte die Welt gerettet werden. Sagt er. Daran glauben tut er nicht. Wissen tut er aber: Dass nach zwei Jahren Kompostdüngung seine Pflanzen viel gesünder und vitaler sind als zuvor. Jetzt wartet er auf die Genehmigung für die eigene Kompost-Produktion.

Margariten

Sie kommt hoffentlich bald, er möchte loslegen. Die Kamillen hier stehen neben dem Zwiebelfeld, das er so wie alle anderen Felder bewässert. Der Klimawandel macht's nötig. Ohne zusätzliches Wasser wäre es für heuer schon vorbei mit den Erdäpfeln und Zwiebeln.

Sein Erdäpfel-Tipp für zuhause: Erdäpfel gehören nicht in den Kühlschrank, weil sie dort »verzuckern« und schwarz werden. Aber feucht brauchen sie's. Und die Zwiebel braucht's trocken und kühl.

Christian Anzböck hat keine Website und betreibt keine Werbung. »Zahlt sich nicht aus«, meint er. »Ich hab ja nur einen Kunden.«

syl

Oh ja

Ina Pfneiszl  15.07.2015 15:43

Ich habe diesen Realismus von Christian bei dem Lehrgang ebenfalls sehr genossen und niemals werde ich seine Präsentation vom Ökosystem im Glas vergessen. Danke für den tollen BLOG liebe Sylvia

Wertvolle Momente Sonntag 2015-07-05

Wenn man weiß, dass die Krankheit nicht mehr geht, werden die Momente so wichtig. Bewusste Momente, damit sie bleiben. So wie gestern. Ein Tag voll von ihnen. Es war eine Tour durch Wien mit einer über die vielen Jahre sehr liebgewonnenen Freundin, im Taxi wegen der großen Hitze.

Ein Cocktail

Auf ein Glas Champagner erst am Naschmarkt, einzig zum Anstoßen. Ein Umarmung für die Freundin vom ehemaligen Arbeitgeber, der zufällig da war. Später der Koch, der genau zuhörte, was sie essen darf und was nicht, und genau das Richtige auf den Teller brachte. So zubereitet, dass das wenige Erlaubte Genuss war. Die Weiterfahrt zu ihren Freunden, bei denen sie in Wien ein Zuhause hat, und ein gutes Gespräch mit dem bislang unbekannten Gastgeber ab dem ersten Moment des Zusammentreffens. Freude darüber, dass es Oasen wie diese mitten in der Stadt gibt, wo die Freundin sich zurückziehen kann.

Der erfolgreiche Einkaufsbummel am Nachmittag. Mit genügend Schatten auf der Straße, die wegen der Ferien und hohen Temperaturen still und fast ohne Menschen war. Der Drink bei Freunden, »Angel's Special«. Gemixt aus einem Hauch von Gin, hausgemachtem zuckerfreiem Fenchellikör, Verbene, langem Pfeffer, Sternanis und Safran. Köstlich und erfrischend.

Und auch das kleine schöne und unerwartete Geschenk, das eine besonderen Platz einnimmt. Die Freude darüber, diesen Tag miteinander verbracht zu haben und darauf, sie in wenigen Wochen wiederzusehen. Und weil die Umarmungen überhaupt das wichtigste sind, kommt hier eine ganz feste. Auf bald!

syl
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