
Bassena - Unser Weblog
| Spanischer Sommer ohne spanische Weine |
Mittwoch 2010-07-14 |
Die Spanier schicken den Wienern eine kleine Hitzewelle. Sehr freundlich, wir sagen gracias. Doch darauf sind die Wiener nach zehn Monaten Winter natürlich nicht wirklich so gut vorbereitet und werden vollkommen gaga. Sie fallen reihenweise um und sie flüchten zum Heurigen in die Vorstadt. Interessant übrigens, dass sich in den Gegenden zwischen Ober St. Veit und Perchtoldsdorf noch nie ein Gastronom behaupten hat können, der mehr bietet als ein überbackenes Brot und ein Bier. Die Heurigen lasten wie ein Fußpilz auf der Gegend.
|  | Die Menschen trinken Wein, der mit Mineralwasser oder Soda aufgespritzt
werden muss, um genießbar zu werden, stellen sich mit Plastiktabletts um
Convenienceschnitzel und warm gehaltenen Kümmelbraten an und essen
Kartoffelsalat, der von bösen Lieferanten eimerweise zu den Heurigen
geschippert wird. Eine gute Tante empfiehlt in Perchtoldsdorf einen Heurigen, der
angeblich alles selber macht. Der Schwager aus Rom und ich machen einen
Test. Kümmelbraten okay, mit einer Schweizerhaus-vergleichbaren
Spitzenkruste, die dann und wann allerdings ins Ledrige und Unkaubare
neigt. Panik! Wo ist der Zahnarztfreund? Der Salat essbar, mehr nicht. Und dann
der Wein! Unser Bouteillenwein, sagt die superfreundliche Kellnerin und
schenkt etwas ein, das bei der Essigverkostung am Badeschiff ebenfalls
gute Chancen gehabt hätte. Wir wissen ja, dass das mit dem Weinmachen in
Perchtoldsdorf immer noch den Wenigsten gelingt (Nigl, Barbach ...),
aber so was. Trotzdem trinken der Schwager aus Rom und ich eine Menge.
Ihm geht es danach gut. Ich hingegen werde am nächsten Frühmorgen von
meinem Verdauungsapparat auf die Toilette zitiert. Was soll ich noch
weiter sagen? Es gibt ein kurzes, aber hartes Gespräch zwischen mir und
ihm, gegen das die Aussprache zwischen Obama und General MacChrystal wie
Schalmeiengesang wirken muss. Mein Körper verträgt diese Art von
Nahrung nicht und recht hat er. Nächster Tag, Zawodsky in Sievering.
Einer der schönsten Gärten von Wien. Wahrscheinlich der, wo sich Häupl
immer fotografieren lässt, wenn er von der Stadt mit der höchsten
Lebensqualität brabbelt. Hier ist der Wein ideal. Die Glaskultur stimmt.
Der Gespritzte im Henkelglas. Bloß das Essen: Sauerkraut-Paprika-Nebel
erfüllt die unteren Geschosse, wo sich die Hungrigen am Buffet
anstellen. Die übliche Glasvitrine mit Würsten von irgendwo, der übliche
Schweinsbraten. Und oben im Garten wird gegrillt. Bratwürste &
Schweinskoteletts. Ein Glück, dass ich nicht hungrig bin. Frau Eckel
rettete mich mit einer Portion gebackener Steinpilze vor dem Grill und
dem Heurigenbuffet. Ich bin ihr dafür ewig dankbar. Darüber demnächst
mehr. |
Herr Rabl
|
| Alles Essig |
Montag 2010-07-12 |
|
Weil in der sauren Runde die Weiblichkeit den Überhang hat, firmiert sie unter „Die Essig”.
Die Männer nehmen's gelassen. In regelmäßigen Abständen also wird Essig verkostet.
Das funktioniert ähnlich wie bei Wein, ist aber ein Eck gesünder. Bar jeglicher Gastritis sollte man halt sein.
|
 |
Heute gab's 50 Essige zum Frühstück. Am Badeschiff. Diverse Frucht- und Gemüseessige, Apfel-essige,
gute und schlechte, sinnvolle und sinnentleerte. Wer zum Beispiel braucht Gurkenessig? Die beiden Proben
waren auch gar nicht so schlecht, geradezu zartgurkig die eine. Aber zum Henker wozu?
|
 |
Und wenn, dann gleich Essiggurkerlwasser, wenn's einen überkommt. Was
schon einmal vorkommen kann ... Der wirklich feine eine Kürbisessig.
Bloß, wozu? Grauslich der Brombeeressig mit Honig. Wie Honig in Essig. Wirklich garstig aber war der mit Knoblauch versetzte. Ekelhaft!
|
 |
Wie das Knoblauchpulver meiner Kindheit, das großzügig übers
Schweinskotelett gestreut wurde. Dafür aber überraschend gut der orangefarbene?
Rote-Rüben-Essig. Die Knolle pur. Gibt man ihn über den RR-Salat oder über Erdäpfel?
Offenbar wird viel experimentiert auf diesem Sektor. Why not also?
|

|
syl
|
| Oh Telmo! |
Freitag 2010-07-09 |
Telmo Rodriguez ist zweifelsohne der schönste Winzer der Welt. Der schönste Winzer Deutschlands möge das verzeihen. Zudem ist er auch noch unglaublich charmant, dieser Spanier. Und macht nebenbei faszinierend gute Weine.
Telmo Rodriguez hat sich vor vielen Jahren zum Ziel gesetzt, autochthone iberische Rebsorten zu kultivieren und sie auf Teufel komm raus zu Höchstleistungen anzuspornen.
|

|
Die Rebstöcke fügen sich. Quer durch die spanischen Lande produziert Telmo um die 1.000.000 Flaschen auf höchstem Niveau und ist in der Zwischenzeit ein international gefeierter Weinstar. Nach Österreich brachte ihn Luis Kracher, seine Weine können über Fine Wine Trade bezogen werden.
Begonnen hat alles wie so oft mit einem Studium in Bordeaux. Nach seinem Abschluss war er Winemaker auf Remelluri, am Weingut seines Vaters Jaimes in Rioja Alavesa. 1994 gründete er die Compania de Vinos Telmo Rodriguez mit Weingärten in ganz Spanien und verließ Remelluri 1998. Nun kehrt er dorthin zurück, um sich gemeinsam mit seiner Schwester Amaia um das inzwischen biologisch bewirtschaftete und auf 105 Hektar angewachsene Gut zu kümmern. Der nächste Schritt zur Biodynamie wird für die kommenden Jahre geplant. Ein weiterer Schritt nach vor ist der um Jahrhunderte zurück, in die 1700er. Die Grenache-Rebstöcke sollen von der Spaliererziehung zurück zum damals üblichen Busch bewegt werden. Die Alten waren eben nicht ganz unbeleckt. Denn diese niedrige Erziehungsform ist der Gegend am besten angepasst und schützt die Reben und Trauben vor den starken Winden. Weiters soll vermehrt Gemischter Satz in vorerst sieben Weingärten zurückkehren. Die Erfahrung hat bisher gezeigt, dass OH TELMO! so gut wie immer den richtigen Riecher hatte. So wird es sicherlich bleiben. Bei dieser Nase ...
|
Quelle: www.decanter www.remelluri.com www.telmorodriguez.com Fine Wine Trade unter www.kracher.at
syl
|
| I AM SAILING |
Mittwoch 2010-07-07 |
Der globale Transport von Waren ist so eine Sache. Ökonomisch und ökologisch. Das Chateau Smith Haut Lafitte will seine Weine neuerdings per Segelboot von A nach B bringen. Der Grund? Den ökologischen Fußabdruck verkleinern. Mit der Kraft des Windes.
Die Crew des britischen 106 Jahre alten Schiffs „Bessie Ellen“ hat das Vergnügen, mit 20.000 der begehrten Flaschen sowie Weinen des Chateau de Cayx (gehört der dänischen Königsfamilie) und von Borie de Maurel im Languedoc an Bord zu gehen.
| | Am 21. Juli werden die Segel in Bordeaux gehisst, der Zielhafen ist
Montreal. Daniel Cathiard, der Besitzer des Chateaus, muss zwar in Kauf nehmen, dass der windige Transport um 20% mehr kostet als mit einem herkömmlichen Containerschiff. Angeblich tut dem Wein die beschauliche Reise über die Meere aber gut. In einer Blindverkostung unabhängiger Önologen, initiiert vom Frächter CTMV, war allgemeiner Tenor, dass solcherart verschiffte Weine besser schmecken. Vielleicht eine Möglichkeit, die ganze Sache zu vermarkten und den Flaschenpreis noch ein wenig zu erhöhen? Die Route soll jedenfalls regelmäßig befahren werden. Vorausgesetzt, die Crew wird gebrieft, die Weine auf hoher See nicht selbst zu trinken. Quelle: Decanter Ruth
|
|
| Weinbauförderpreis für das Weingut Ebner-Ebenauer |
Mittwoch 2010-07-07 |
Già che c'era! Weil der Businessplan schon einmal da war, konnte man ihn genauso gut auch einreichen. Nutzt's nichts, schad's nichts. Und unverhofft kommt oft: abgeräumt! Ebner-Ebenauers sind, so wie's aussieht, nicht nur Meisterin und Meister beim Weinbereiten. Nein, sie kennen sich auch aus bei Zahlen, Konzepten und Finanzplanung. Beim Weinbauförderpreis, vergeben vom Fachmagazin Der Winzer, hat ihr Businessplan am besten abgeschnitten.
|
 |
Die drei erstgereihten Konzepte wurden von den Kooperationspartnern
BASF, DER WINZER und einer fachkundigen Jury prämiert. Und so steht es geschrieben: „Hier wird nichts dem Zufall überlassen - CI und guter Geschmack begleiten den Weg nach vorne. Der entscheidende Erfolg des Weinguts ist aber offensichtlich aus der Kobination zweier Persönlichkeiten abzuleiten. Was besonders gefällt: der Fokus auf die Exportmärkte. Nach nur wenigen Jahren scheint dies eindrucksvoll gelungen! Sie haben sich mit ihrem hochkarätigen
Konzept ‚BUSINESSPLAN‘ den Weinbauförderpreis 2010 gesichert!”
Wir sind stolz auf unsere Ebner-Ebenauers und gratulieren!
|
syl
|
Weitere Einträge:
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37

|
HERZLICH WILLKOMMEN IN UNSERER BASSENA!
Hier lässt sich's tratschen oder "havelundpetzen". Wie früher an der "Bassena", dem Wasserbecken in den Gängen der Wiener Wohnhäuser, in denen dort der einzige Zugang zu Fließwasser war. Neues aus der Branche, Trouvaillen aus Küche und Keller, die besondere Lokalentdeckung und so manches, was uns am Herzen liegt, werden wir hier erzählen. Diskutieren Sie mit uns, widerlegen Sie uns oder noch besser, geben Sie uns Recht. Wir freuen uns auf jeden Fall auf Ihren Input!
DIE THEMEN:
> Der praktizierte Genuss
Wo wir waren und wo es uns gefallen hat. Gänzlich subjektive gastronomische Eindrücke ohne Sterne, Pünktchen und Gläser. Manchmal geht es aber auch um andere genussvolle Dinge.
> Bag-In-Box
Hier geht es um Dinge, die uns oder andere zu Recht oder Unrecht freuen oder ärgern aber auf jeden Fall bewegen. Wie der Bag-In-Box. Eine Schachtel mit Sackerl mit Flüssigkeit. In die man nun auch in Österreich Wein abfüllen darf. Was hitzige Debatten hervorruft.
Bag-In-Box also. Wußten Sie übrigens, dass sein antiker Vorläufer ein Schlauch aus Ziegenleder war und schon damals zur Aufbewahrung von Wein diente?
> Herr Rabl
Der Mann mit der feinen Klinge ist da. Alexander Rabl, pointierter Gastrokritiker des österreichischen Gourmet-Magazins A LA CARTE nun auch in der Bassena. Ab sofort und ohne Maulkorb. havel & petz übernehmen keine Haftung. Für den Herrn Rabl. Denn der Herr Rabl ist vollkommen unberechenbar.
> Grätzel
Wo es uns gefällt. Wir freuen uns über unser ruhig gelegenenes urbanes Büro im unteren Gumpendorfergrätzel. Denn hier in der Nähe des Naschmarktes tut sich's.
> Purple Wine
Purple Wine und ein herzliches Dankeschön an Jancis Robinson MW.
Wir freuen uns sehr, Ihnen hier Auszüge einiger Filme aus Jancis Robinson's Wine Course, ausgezeichnet mit dem James Beard Award, zeigen zu dürfen.
> Schweinemeise
Ein bisschen Speisenkarten-sprachbewahrerinnen möchten wir hier sein. Über entsprechende Beispiele aus dem In- und Ausland freuen wir uns ganz besonders!
|