Marillenblüte im April 2015

Bassena - unser Blog

Es ist ein Foodsymposium Mittwoch 2013-03-13

Man muss es einmal schaffen, über zwei Tage viele Fotos gemacht zu haben, aber kein so gescheites, dass es hier verwendbar wäre. Fotos von Gesprächen, Workshops und anständigem Essen. Kommt eben das Suject zum Einsatz. Ohnedies besser wegen der Nachhaltigkeit.

Grafik des Anständig Essen Symposiums mit Datum

Fotos vom Gesehenen, Erlebten und Genossenen am letzten Wochenende in Bad Hofgastein, wo das erste Symposium »Anständig essen« stattgefunden hat. Ursächliche Frage der Tagung war, ob »Regionalität« die Lösung unserer Nahrungsprobleme sein kann oder ob hinter diesem Terminus bloß eine neue Modeerscheinung steckt. Food-Detektiv Hans-Ulrich Grimm, Gastronomin Sarah Wiener, »Ja! Natürlich!«-Kreateur Werner Lampert und Essens-Nomade Philipp Furtenbach waren unter anderen gebeten worden, ihren Weg aus der industrialisierten Ernährungschleife mit dem Publikum zu teilen.

Sepp Schellhorn, impulsgebender Gastronom aus dem salzburgerischen Goldegg, hatte die Idee zu diesen Tagen. Christian Seiler, überzeugter Kämpfer für Nachhaltigkeit beim Essen, Autor und Kolumnist, hatte sie in die Tat umgesetzt. Das Ergebnis waren zwei Tage voller Diskussionen, kritischen Hinterfragens und genussbringender Workshops.

Auftakt waren Gespräche, zu denen neben erwähnten Proponenten auch die Schweizerin Mirjam Hauser (sie erforscht Konsumententrends) eingeladen war. Spannend zu hören, was sich tun wird in der Zukunft  - im Supermarktkunden im inneren Konflikt zwischen dem Verlangen nach billigem industrialisiertem Essen und gesundem natürlichem Essen gewinnt mehr und mehr letzteres die Oberhand. Wobei das Verlangen nicht mit dem Einkaufsverhalten korrelieren muss, aber immerhin.

Das Highlight des Eröffnungsabends war der Vortrag von Hans-Ulrich Grimm, Autor und Kritiker der Nahrungsmittelindustrie. Der Vortrag war gespickt mit wildem Galgenhumor und führte in die »Parallelwelt« des künstlichen Lebensmittelwahnsinns und seine irreführende Diktion. Sarah Wiener zeigte das Gegenteil. Wie sie in der realen natürlichen Welt Wege findet, diese Parallelwelt zu vermeiden: mit einer eigenen Hühnerzucht, Förderung kleiner fairer Projekte im In- und Ausland, einer eigenen Biolinie für den Supermarkt, Essensprojekten für Kinder und und und.

Spannend ging's am nächsten Tag weiter mit einem Brotbackseminar mit Roswitha Huber von der Schule am Berg. Kämpferin für das Ursprüngliche auch sie, dynamisch, mitreißend und überzeugend. So überzeugend, dass auch Walter Eselböck konzentriert gelauscht hat (anders als in der Schule, wie er anmerkte), Notizen machte und das erste Mal in seinem Leben Lust bekam, selbst Brot zu backen.

Dann war Bewegung angesagt. Von der einen Alm zur nächsten und da der Weg hinauf wetterbedingt zu gatschig für den großen Bus war, hieß es aussteigen. Der Minishuttle dauerte und so ging's fürs Kernteam an den Aufstieg. Guter Käse will verdient werden. Der oben auf uns wartete, präsentiert von Stephan Gruber, dem Vorarlberger Käseflüsterer. Und wenn der Käse ordentlich gestreichelt, beflüstert, eingerieben, gelagert, getrocknet, gereinigt und was auch immer wird, dann ist er so wie der von Stephan. Zum Reinkriechen und Niederknien. Sie sollten unbedingt am Samstag entweder zum Naschmarkt, wo er steht, oder zum Karmelitermarkt, wo die Frau steht, kommen und kosten. Und sollte einer von beiden diesen Labneh mithaben, kaufen Sie, was das Zeug hält!!!

Den krönenden Abschluss des Symposiums bot Jörg Wörther mit anständigem Eiweiß. Er verarbeitete einen beflüsterten Pinzgauen Ochsen zu einem mehrgängigen Menü. Fleisch as Fleisch can, alles auf den Punkt in Form von Beef Tatar und Consommée, Rindsroulade und Rostbeef und in Form eines Topfenschmarrn, der allerdings ohne Ochsen auskommen musste. Die Weinbegleitung kam von Roland Velich, whom else, und speziell sein 2008er Jagini brachte die Welt zum Schmelzen.

Und das war's dann auch schon wieder. Zwei Dinge, auf die man sich allerdings schon wieder freuen darf: Jörg Wörther kocht demnächst fix in seinem eigenen Lokal in Salzburg auf, und das nächste »Anständig essen« in Bad Hofgastein ist schon in Planung. 2014, von 14. bis 16. März, same station. Und dann wieder 2015 und 2016. Und irgendwann ist keines mehr nötig, weil eh alle anständig essen. Man wird ja wohl noch träumen dürfen ...

PDF-Download der Brochüre »Anständig essen 2013«
Mehr ins Detail geht Angelika Deutsch in ihrem Nachbericht im Kulinarischen Salon.
syl

Blaufränkisch-Freak und Veltliner-Jünger Freitag 2013-03-08

Alle heiligen Zeiten und ein bisschen öfter nehmen wir uns die Zeit (Lust haben wir sowieso) und verkosten die Weine unserer Kunden. Diese Woche waren jene von Thomas Kopfensteiner und Heinz Weixelbaum dran. Und weil ja schad ist um den vielen Wein, wenn wir das nur entre nous machen, laden wir immer ein paar Leute ein, doch einfach mitzukosten.

 Heinz Weixelbaum und Thomas Kopfensteiner 

Robert Stark, umtriebiger Sommelier und seit einiger Zeit im Restaurant Livingstone aktiv, wollte das gerne und lud die Runde kurzerhand in die Zelinkagasse ein. Vielen Dank noch einmal dafür, wir haben es sehr genossen!

Auf edlen Ledersofas im Planter's Club verkosteten wir über 20 Weine aus dem Kamptal und vom Eisenberg. 

Wir legten klarerweise mit ersterem los. Heinz Weixelbaum unterteilte seine Range in »frisch, fruchtig & leicht«, »Kamptaler Lagenweine und DAC« und »Wahre Werte«.

Tische und Ledersofas im Planter's Club

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir zum einen der Grüne Veltliner Ried Absdorfer 2012, laut Heinz der kleine Bruder vom GV Wechselberg. Die Böden bestehen zum Großteil aus Schotter mit lediglich 1 bis 1,5 Meter angewehtem Löss (beim Wechselberg reicht der Löss bis in 9 Meter Tiefe). Die Wurzeln wurzeln also im Schotter, der Wein ist dadurch wunderbar mineralisch und straff. Wie es mir gefällt!

Der zweite Weixelbaum-Wein, den ich hier erwähnen möchte, ist der Grüne Veltline Alte Reben, von dem eine Fassprobe ins Glas kam. Dieser Wein entsteht aus einer Selektion der ältesten Weingärten mit jeweils zumindest 40 Jahre alten Rebstöcken. Schiefer-, Schotter- und Lössböden verleihen Komplexität, wie ich finde wirklich spannend. 2.000 bis 2.500 Flaschen gibt's davon pro Jahr, ich sollte also rasch zugreifen. Und, unbedingt erwähnenswert, Ab-Hof-Preis 9,50 Euro! Das Preis/Leistungs-Verhältnis von Heinz Weixelbaums Weinen ist übrigens durchgängig großartig.

Wir wechseln zum Eisenberg. Thomas Kopfensteiner bewirtschaftet 7 Hektar in Deutsch-Schützen, hier dominieren schwere, lehmige Böden, und 8 Hektar am Eisenberg mit  eisenhaltigen, kargen Böden. Logisch, dass ganz unterschiedliche Weine entstehen.

Meine beiden Favoriten des Nachmittags waren der 2010 Eisenberg DAC, der etwas über ein Jahr im großen Holz war und mich vor allem mit seiner Saftigkeit und Würze (Kardamom!) beeindruckt hat. Laut Thomas ein Wein für alle Tage. Dieser Wein macht sie zu guten Tagen! Auch hier, Preis/Leistung unschlagbar: 6,50 Euro ab Hof.

Thomas' höchste Lage am Eisenberg heißt Saybritz. Der dazugehörige Wein extrem elegant, das Holz wunderbar integriert, ein Wein ohne Schnick-Schnack, der mir genau deshalb so gefällt. Und der Jahrgang 2007 gefällt mir ganz besonders gut.

Es war ein spannender Nachmittag und ein kulinarisch anspruchsvoller und obendrein sehr unterhaltsamer Abend. Dank an die Winzer!

www.vinoweix.at
www.kopfensteiner.at

Ruth

Social-Media-Sucht Sonntag 2013-03-03

Paradox, einen Artikel über das Suchtpotenzial von Social Media zu bloggen und dann auf Facebook zu verlinken? Jedenfalls eine Möglichkeit, das Thema mit anderen zu teilen.

Kurosch Yazdi, Primar der Suchtabteilung der Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg in

Illustration einer Person vor dem Laptop mit Internet Icons um sich

Linz und Facharzt für Psychiatrie  und Psychotherapeutische Medizin, hat sich auf Verhaltenssüchte wie Onlinesüchte und Glücksspielsucht spezialisiert. Im Wochenend-Standard warnt er davor, dass die Interaktivität von Social Media und Onlinespielen Pseudo-Beziehungen vorgaukelt. Und da der Mensch ein Rudeltier sei, der Beziehungen fürs psychische Überleben braucht, kippen viele durch die Rund-um-die-Uhr-Mobilität in Facebook & Co rein, für manche werden diese Netzwerke zur unkontrollierbaren Sucht. Jugendliche sind dabei besonders anfällig.

Der Spezialist sieht die Gefahr vor allem auch darin, dass Eltern oft gar keine Ahnung haben, was online alles zur Verfügung steht, möglich und machbar ist, daher auch keine Ahnung haben, was ihre Kinder im Netz so treiben. Er meint, dass Erwachsene zum einen viel genauer darauf achten sollten, wo und auch wie lange ihre Kinder täglich im Netz zugange sind. Und geht sogar so weit, staatliche Reglementierungen zu fordern. Der Staat mische sich ja auch sonst in viele Dinge ein (Verbot von Zigarettenwerbung zum Beispiel), warum nicht auch in diesem Bereich. Sein Resümée: »Ich sage nicht, schafft das ab. Ich sage nur, die Gesellschaft soll sich mehr damit beschäftigen.«

Quelle: Der Standard

Ruth

Verantwortung

Ruth  08.03.2013 09:25

Ich denke, ein Schlüsselwort ist Verantwortung. Zuerst die der Eltern, später die eigene. Aber sagt sich sicherlich leicht, schon klar.

ja!

Gottfried  03.03.2013 14:55

ja!

Es gibt auf der einen Seite das Suchtpotential der User und auf der anderen Seite die Profitgier der Plattformen. wo soll das noch alles hinführen?

ja!

Gottfried  03.03.2013 14:54

ja!

Es gibt auf der einen Seite das Suchtpotential der User und auf der anderen Seite die Profitgier der Plattformen. wo soll das noch alles hinführen?

»Speisekarten sind heute Märchenbücher« - Christian Petz übers Essen und Kochen an Tagen wie diesen Samstag 2013-03-02
Man kommt zur Zeit kaum zum Luftschöpfen. Ein Lebensmittel- skandal folgt auf den anderen, wöchentlich zeigt ein neues Gespenst auf. Nach dem weltumspannenden Fleischskandal flog der deutsche Bio-Eier-Betrug auf. Jetzt erfährt man, dass in Deutschland tonnenweise  Christian Petz in der Küche vor Töpfen

hochgiftiges verschimmeltes Maisfutter an Rinder, Schweine und Hühner verfüttert wurde. Die Grenzwerte wurden um ein Zehnfaches überschritten, schon geringe Überschreitungen der Höchstmenge könnten laut niedersächsischem Landwirtschaftsminister zu einer kritischen Belastung von zum Beispiel Rohmilch führen. Das Essen heute ist zum Kotzen und der einzige Ausweg ist der ganz bewusste Einkauf, im Idealfall beim kleinen Fleischer, beim Bäcker und Gemüsehändler.

Wie Holy-Moly!-Küchenchef Christian Petz das sieht, warum er aus der Spitzengastronomie weg wollte und was er von amtlichen Gütesiegeln hält, ist in einem wirklich guten Interview in der Wiener Zeitung nachzulesen.

Zitat: »Der Konsument ist einfach nicht bereit, für sein Essen einen angemessenen Preis zu bezahlen. Das ist auch kein Wunder. Was kostet ein Fertiggericht im Supermarkt? Was kostet ein Huhn oder ein Stück Schweinefleisch? Nichts! Dann geht der Konsument ins Wirtshaus und sagt: Diese Preise will ich dort auch. Wenn ich im Supermarkt sehe, was ein Kilogramm Schweinefleisch kostet, dann packt mich das blanke Entsetzen. Wie kann das funktionieren? 4,50 Euro für ein Kilo Schopf - für pures Fleisch ohne Knochen! Was bekommt dann der Bauer für ein ganzes Schwein!? Ich will mir gar nicht ausmalen, wie dieses Schwein leben musste und wie es gefüttert wurde ...«

Das Problem ist, dass das wieder nur von den Leuten gelesen werden wird, die sich der Dinge ohnedies bewusst sind. Darum ein Stoßgebet in Richtung Himmel, dass nächste Woche der nächste Skandal kommt und übernächste Woche noch einer, und wenn es irgendwie geht, bitte noch einer in der Woche darauf. Nur so wird irgendwann zu allen durchsickern, dass es an der Zeit ist, umzudenken.

www.wienerzeitung.at
Foto: Sonja Stummerer
syl
meeting jedermann: rabinovich revisited - eine Ausstellung im Jüdischen Museum Donnerstag 2013-02-28
Ich fand dieses Gesicht schon als Kind so schön. Diese Augen, die einem tief in die Seele blickten. Boris und Nina Rabinovich, aus Leningrad über Umwege nach Österreich geflüchtete Juden. Freunde meiner Eltern in meiner Jugendzeit. Boris, ein begnadeter Maler, den immer der durchdringende Geruch seiner Boris Rabinovich - Foto von Peter Felch

Zigarren umgab. Er hätte gestern seinen 75. Geburtstag gefeiert. 1988 ist er während seines einzigen Besuchs in Leningrad gestorben, fünfzigjährig nach zehnjähriger Emigration. Wenn ich heute dieses wunderbare Gesicht sehe, denke ich auch an das Gesicht meiners Vaters.

Gestern war die Vernissage von »meeting jedermann: rabinovich revisited«, einer ihm gewidmeten Ausstellung im Jüdischen Museum und organisiert von Julya Rabinovich, Schriftstellerin und Boris' Tochter. Sie »tritt in einen Dialog mit dem Werk ihres Vaters und stellt den von ihr kuratierten Arbeiten ihres Vaters eine eigene Text- und Grafikarbeit gegenüber. Die Ausstellung im Jüdischen Museum Wien ist eine Collage aus Retrospektive, Erinnerung und Illustration.«

Zur Ausstellung, die bis 26. Mai zu sehen ist, gibt es ein Begleitprogramm unter anderem mit einer Lesung von Doron Rabinovici während der Finissage.

Alle Informationen unter www.jmw.at
Foto: Peter Felch
syl

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