Bunte Rüben und Kraut in einer Holzschale

Bassena - unser Blog

Adam and his family Montag 2015-09-21

Das ist der kleine Adam. Er, seine sechsjährige Schwester Melak und seine Eltern sind vorgestern am Wiener Westbahnhof im kids corner gelandet. Einer Einrichtung für Flüchtlingsfamilien mit Kleinkindern, die von einer Schar Freiwilliger rund um Roland Reisinger betreut wird und von Spenden lebt.

Der kleine schlafene Adam in einer rosa Decke

Adam hat es nach 20 Tagen Reise aus dem Irak hierher geschafft, die letzten Tage ist er krank gewesen. Seine Mutter, eine unglaublich hübsche Frau, die es trotz aller Strapazen irgendwie schafft, gepflegt auszusehen, hat beim Füttern geweint. Dann hat sie ihre Kinder im kids corner zurückgelassen, um mit ihrem Mann eine Schlafmöglichkeit zu suchen und die Weiterreise nach Zürich zu ihren Verwandten zu klären. Der unruhige Adam wurde in der Zwischenzeit mit einer sanften Bauchmassage in den Schlaf gelullt. Melak war mit ihrer Banane und Apfelsaft glücklich, die Eltern haben nichts genommen.

Adam und Melak stehen sinnbildlich für eine Unzahl von Kindern auf der Flucht. Gestern etwa war Ruha da, ein syrisches Mädchen mit ihren Geschwistern. Adam, Melak und Ruha waren »meine« Kinder, sie habe ich besonders ins Herz geschlossen, neben der wilden Elfmonatigen, deren Namen ich nicht kenne und die alle auf Trab hält.

Die Stunden, die diese Familien hier verbringen, sind ungewiss. Keiner weiß, ob Züge nach Deutschland gehen und falls ja, wann. Und wenn doch, dann ist der überfüllte und teilweise chaotische kids corner plötzlich auf einen Schlag wieder leer. Dann sind Adam, Melak und Ruha wieder weg, mit einem kleinen Stück meines Herzens. Nur die Kleine ist da, sie gehört zu einer der zahlreichen arabischsprachigen Übersetzerinnen, die in Wien leben und ihre Hilfe anbieten. All diese Kinder, unter ihnen viele Babies, kommen aus dem Chaos und ziehen in eine ungewisse Zukunft. Aber zumindest in eine friedliche. Hoffentlich.

Hut ab vor all den Leuten, die im kids corner und im riesigen Kinderfreunde-Parkdeck für die Familien mit größeren Kindern fast rund um die Uhr ehrenamtlich arbeiten. Hut ab vor den Leuten von der Caritas und der unglaublichen Logistik, die sie dort aus dem Boden gestampft haben, Projektmanagement par excellence. Hut ab auch vor der ÖBB, die ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellt und mit ihren Zügen flexibel ist. Hut ab allen und danke!

Und falls jemand im kids corner mithelfen oder Spenden vorbeibringen möchte, am besten über die Facebookgruppe informieren.

syl
Wachauer Wanderung mit Weitblick Samstag 2015-09-19

Wenn wir Besuch aus der Fremde haben, beginnen wir zu überlegen, was von der Heimat unbedingt besichtigt werden sollte. Wohin wir mit dem Besuch fahren und was wir ihm zeigen sollten. In unserem Fall kam die spanische Austausch-Schülerin aus Sevilla in den Genuss einer Wachauer Wanderung.

Blick vom Vogelberg

Einer, auf die wir vor Jahren in der Wochenend-Ausgabe vom »Standard« gestoßen sind und die wir schon einige Male angetreten haben. Von Dürnstein auf den Vogelberg über den Vogelbergsteig und hinten herum zurück Richtung Dürnstein mit der Ruine als letztem Abstecher. Abwechslungsreich, teilweise

Blick vom Vogelberg Richtung Donau

anstrengend, mit tollen Ausblicken. Eine richtige Wanderung halt. Am besten man parkt auf dem Parkplatz direkt nach dem Tunnel. Dort darf man allerdings nicht links abbiegen, man muss also noch ein Stück geradeaus weiterfahren und umdrehen. Aussteigen, über die Straße gehen und am Ortsende von

Blick von der Ruine Dürnstein

Dürnstein Richtung »Tal« gehen. Am Beginn des Waldes steht eine Tafel, auf der die Wanderung mustergültig skizziert ist. Bei der ersten Gabelung links halten und dann immer der rot-weiß-roten Markierung nach. Achtung: Nichts für Leute mit Höhenangst oder unsicherem Tritt. Der Weg ist großteils ausgesetzt, der

Kirche Dürnstein
Ausblick auf Donau und Weingärten dafür grandios. Hinter dem Berg quasi geht es dann über die Starhemberg-Warte Richtung Dürnstein, die Ruine oberhalb des Ortes ist immer wieder eine Besichtigung wert. Was mir diesmal besonders gut gefallen hat: Der kleine Ausblick auf den Dürnsteiner Kirchturm durch eine Luke in der Ruinen-Wand.


Der Abschluss beim Heurigen Koppensteiner in Oberloiben hat für die Anstrengung des Aufstiegs und den Regenguss entschädigt. Alles in allem ein sehr empfehlenswerter Ausflug!

Ruth

Eine kleine Entdeckung Sonntag 2015-09-13
Nun lebe ich seit mittlerweile 45 Jahren – mit ein paar kurzen und einer längeren Unterbrechung – in und in der Nähe von Wien. Und hab zeitweise das Gefühl, meine Stadt gar nicht richtig zu kennen. Manche Dinge gehen offenbar an mir vorüber. Oder ich an ihnen, je nach Betrachtungsweise. So wie am »Kleinen Diglas« am Fleischmarkt. Cafe Diglas Fleischmarkt
Ein Vormittag unter der Woche, am Programm ein Arzttermin in der Nähe vom Schwedenplatz. Die Sonne scheint, mir steht der Sinn nach Innenstadt und so fahr ich früher als notwendig los. Bekomme Lust auf einen Espresso und überlege mir, wo ich denselbigen einnehmen könnte. Und stelle fest, dass mir in dieser Gegend nicht wirklich was einfällt. Espressotasse
So schlendere ich mehr oder weniger ziellos dahin, biege von der Rotenturmstraße in den Fleischmarkt und entdecke das oben erwähnte »Kleine Diglas«. Und bin begeistert. Vom Interieur (okay, ein bissel kitschig, aber mir gefällt's), von der überaus freundlichen Kellnerin, vom formidablen Jour-Gebäck und vom cremigen Espresso. Cafe Diglas Fleischmarkt
Schön, immer was Neues zu entdecken!


Ruth

Gegen die Unmenschlichkeit Freitag 2015-08-28
In Zeiten wie diesen fällt es mir schwer, Genüssliches in unserem Blog zu veröffentlichen, von schönen Momenten, großen Weinen oder kulinarischen Erlebnissen zu erzählen. Immer öfter stellt sich mir die Frage, welches Recht wir eigentlich haben, im Luxus Österreichs zu leben. Mensch sein in Österreich

Daher folgt jetzt auch kein praktizierter Genuss, sondern die Bitte, im Kleinen und Großen - je nach Möglichkeit - Unterstützung zu leisten und schlicht und ergreifend Nächstenliebe und Menschlichkeit zu praktizieren.
Ein Zeichen setzen können wir alle am Montag, dem 31. August, bei der »Demo für Mensch sein in Österreich« ab 18 Uhr am Christian-Broda-Platz.

Hier gibt es die wichtigsten Infos, bitte in weiß gekleidet oder mit weißen Fahnen kommen. Auch wenn's nur ein Zeichen ist, je mehr wir sind, desto mehr können wir hoffentlich bewirken.

Und sonst einfach helfen, wo es geht und das Leben trotzdem genießen, die schönen Momente bewusst erleben. Wie schon im letzten Blog: Carpe diem.

Ruth
Kuchenbacken gegen Zukunftssorgen Dienstag 2015-07-21
Es liegt wohl auch ein Stück weit am Chaos auf unserem Planeten, an all den furchtbaren Meldungen, die wir Tag für Tag zu hören bekommen. Erst gestern, dass zig kurdische Jugendliche sterben mussten, weil sie Kindern in Kobane helfen wollten, die in einer zerstörten Stadt leben. IS, Griechenland, Syrien, Afrika und noch viel mehr. Ribiselsträucher
Je mehr solcher Nachrichten ich aufnehmen, desto mehr Sorgen über unsere Zukunft mach ich mir. Und desto dankbarer bin ich auf der anderen Seite für mein eigenes Leben. Und verspüre immer öfter »biedermeier-hafte« Tendenzen. Bleib gerne zuhause, koch und back, genieße die Ruhe. Wohl eine Art Abwehrhaltung. Ribisel
Jetzt kommt der Schnitt, der große Themenwechsel. Zum Ribiselkuchen meiner Oma. Die Sträucher sind längst geleert, die Ribiseln frieren im Tiefkühler vor sich hin. Oder wurden zu besagtem Kuchen verarbeitet, meinem Lieblingskuchen. Das Rezept teile ich hiermit, es ist einfach zu gut. Und wirklich einfach. Ribiselkuchen
Man nehme:
* 14 dag Butter

* 7 dag Zucker
* 2 Dotter
* 20 dag Mehl
Zu einem Teig verrühren, auf einem befettetem Backblech aufsteichen und hell backen.
* 4 Eiklar
* 1 Packerl Vanillezucker
* 20 dag Zucker
* ca. 1/2 kg Ribiseln
Auf den vorgebackenen Kuchen streichen und fertig backen, bis der Eischaum leichte Farbe annimmt.

Carpe diem.

Ruth

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