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Noch mehr Leichtgewichte - Wein geht auch in anderen Behältern Dienstag 2015-01-27
Wie Kollegin Havel im Posting weiter unten schon schreibt, ist das Thema »Nachhaltigkeit« - dank ÖWM und ihrer Zertifizierung für Winzer - endlich auch in der Weinwelt angekommen. Bio und biodynamisch ist zuwenig, da gibt es noch viel mehr. Der CO2-Hauptverursacher bei der Weinprodukton sind die Glasflaschen, hier fallen natürlich die ganz schweren exklusiven besonders ins Gewicht. Die ohnedies auch der Sommellerie Kopfzerbrechen bereiten. Weil die Weinleute nie wissen, ob in der dunklen massiven Flasche in ihrer Hand noch Wein ist oder nicht. Bag-in-Box des renommierten deutschen Weinguts Molitor

Idiotisch. Schon länger ist also der Ruf nach leichteren Glasflaschen laut. Noch verhallt er hierzulande zumeist ungehört. Wir versuchen, unsere Winzer diesbezüglich zu beeinflussen und konnten gerade wieder einen dazu bewegen, seine neuen Bio-Weine nicht in »ridiculous bodybuilder bottles« zu füllen. Hurra! Aber es gibt auch noch andere Möglichkeiten, wahrscheinlich viel ökologischere, als Weinflaschen aus Glas.

PET. Siehe die diesbezügliche Studie, die Ruth im hier vorangegangenen Beitrag erwähnt. Mehrweg-Pet liegt vor Mehrweg-Glas. Was in der Studie allerdings nicht berücksichtigt wurde, ist der Faktor Umweltverschmutzung. Kalkuliert man den unverrottbaren Plastikdreck in Umwelt und Meer mit ein, müsste der CO2-Abdruck viel größer sein. Weiters weiß man ja inzwischen, dass Plastikflaschen manch unliebsamen Stoff an ihre Inhalte abgeben. Ein weiterer Aspekt, der in die Ökobilanz Eingang finden sollte. Wir bleiben hier auf jeden Fall dran und halten Sie auf dem Laufenden.

Bag-in-Box. Der weitaus spannendere und im skandinavischen und angloamerikanischen Raum schon längst etablierte »Schlauch im Karton«. Ein Kunststoffsackerl in einer Schachtel mit Zapfhahn. Bei der Entnahme der Flüssigkeit entsteht Unterdruck im Beutel, Kontakt mit Sauerstoff findet so gut wie nicht statt. Wein hält in einem gekühlten BiB Wochen bis Monate. Perfekt für die Gastronomie für glasweise ausgeschenkte Weine und Feste. Mehr Inhaltliches, Emotionales und Degustatorisches findet sich bei Philipp Erik Breitenfeld in seinem Blog La Gazetta del vino.

Noch ist der BiB in den deutschsprachigen Weinköpfen nicht angekommen, obwohl sehr renommierte Winzer wie Fred Loimer, Molitor und unser lieber Freund H.O. Spanier für ihre internationalen Märkte schon Wein in BiB abfüllen. Vieles spricht dafür, sehr weniges dagegen (eventuell Kunststoffeintrag im Wein; weiß man noch nicht, und dass das Sackerl halt wieder aus Plastik ist).

Hier ein Pläydoyer für BiB von Super-Blogger Dirk Würtz in seiner Facebook-Gruppe »Hauptsache Wein«, in der das Thema zur Zeit breit diskutiert wird:

»Als alter BiB-Veteran kann ich nur schmunzeln. Annähernd alle Länder die Wein trinken, trinken ihn auch aus BiBs. Mittlerweile auch hier in D. Es gibt Länder, gerade in Skandinavien, da ist das so normal wie nix anderes. Die Vorteile des BiBs sind eine Million mal diskutiert. Ökologisch gesehen ist eine Glasflasche übrigens eine Katastrophe. Die Diskussion über den BiB hier in D finde ich lächerlich. Hier wird von Kultur geredet und flächendeckend weltweit der billigste Wein gesoffen. Absurder und bigotter geht es kaum noch. Und natürlich hält sich heutzutage der Wein viel länger als wenige Wochen. Alles belegt, wissenschaftlich. Und in unzähligen Tests ausprobiert (auch im Selbstversuch). Und wer wissen will, wo der Hammer hängt, dem empfehle ich einen Besuch im Monopolshop in Norwegen. Ein Blick auf deren Homepage langt übrigens auch. Und wem das alles zu viel und zu umständlich ist, für den gibt es jetzt mal einen Bilderservice (Anmerkg. BiB-Fotos von Molitor, BattenfeldSpanier, Winter). Top packaging und top Inhalt, nebenbei bemerkt. Wer das trinkt und meint es sei minderwertig, der lässt sich einzig und allein von der Verpackung beeinflussen. Der Inhalt ist, ich wiederhole mich, top! Etwas anderes könnte sich im Übrigen auch keiner mehr leisten heutzutage!!!«

Tja, so ist es. Wer sich noch weiter informieren möchte, auch das hier ist interessant: ein Auszug der Weinakademie-Diplomarbeit über Bib von Carmen Ratz (danke, Knalli!). Und jetzt brauchen wir nur noch ein paar ordentliche Meinungsmacher/Presseleute, die sich mit dem Thema eingehend auseinandersetzen. Und ein paar Gastronomen, die den ersten Schritt tun. Ich hätte da auch schon einen ins Auge gefasst. Der mit dem BYOB. Brother, can you hear me?

Foto: Dirk Würtz
syl

BiB nun auch auf stern.de

syl  28.01.2015 16:35

Inspiriert von unserem Beitrag in seiner Facebook-Gruppe nun Dirk Würtz zum Thema BiB im Blog vom Stern: http://blogs.stern.de/easydrinking/wein-der-box/

Leichtgewichte Donnerstag 2015-01-22

Sie ist in aller Munde, die Nachhaltigkeit. Auch wenn man zur Abgedroschenheit des Begriffes stehen kann, wie man will, das ist schon gut so. Sich überlegen, was man wo kauft, wie man von A nach B kommt (und ob das überhaupt immer notwendig ist) und was man ganz generell tun kann, um den eigenen ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten. Schwierig genug in der Zivilisation, in der wir leben und mit dem Lebensstandard, den viele haben. Doch es geht, in vielen Bereichen sogar. Man muss sich dazu halt A) ein bissel informieren und B) aufraffen, was zu tun.

eine gezeichnete Sektflasche

Natürlich sind nicht nur wir Konsument/innen, sondern auch die Produzent/innen gefordert, was zu tun. Ein Bereich, an dem in der Weinbranche mittlerweile niemand mehr vorbeikommen sollte, ist das Flaschengewicht. Je schwerer die (leere) Flasche, desto größer der Aufwand für Produktion und Transport und somit desto höher der Anteil an besagtem Fußabdruck.

Glaubt man den Granden der Branche, dürfen wir allerdings gar nicht beim Glas aufhören nachzudenken. Leichtere Glasflaschen sind das eine, der Einsatz völlig anderer Materialien das andere. Was den meinsten Weinliebhabern und -liebhaberinnen wohl missfallen dürfte: Dabei geht's um Tetrapak und PET-Flaschen. So schreibt Jancis Robinson, sie halte nichts von »ridiculous bodybuilder bottles« und PET-Flaschen hätten sowieso die ökologischere Bilanz. Und – in selbigem Artikel – berichtet Michael Schmelzer vom Weingut Monte Bernardi im Chianti Classico von einem biologischen Rotwein, der in den USA im Tetrapak vermarktet wird. Wird Wein dort doch zu 90 % innerhalb von 24 Stunden nach dem Kauf getrunken. Oft schneller als ein Packerl Milch. Damit sinken auch die Kosten und damit der Preis beim Kunden.

Die Studie »Ökobilanz. Vorsprung für Mehrweg« aus dem Jahr 2008 (die allerdings den Mineralwassermarkt zum Inhalt hatte), zieht folgende Bilanz: »Das Ergebnis der Ökobilanz lautet, dass PET-Mehrwegflaschen die umweltfreundlichste Verpackung für alkoholfreie Getränke sind, dicht gefolgt von der Glas-Mehrwegflasche. Einwegflaschen schneiden ökobilanziell erheblich schlechter ab. Sehr deutlich wird der Unterschied zwischen Einweg- und Mehrwegsystemen bezogen auf den spezifischen Beitrag zum Klimawandel. PET-Mehrweg halbiert den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) im Vergleich zu Einweg.« Und Weinexpertin Lidwina Weh schreibt in der neuesten Ausgabe des Magazins vinum: »Keine Weinflasche der Welt wurde schon so viele Male wiederverwendet, dass sie eine ähnlich vorteilhafte Ökobilanz besitzt wie eine PET-Flasche.« Wobei es halt immer auch drauf ankommt, wo die Systemgrenzen der Betrachtung sind und inwiefern man wirklich den gesamten Lebenszyklus messen kann. Aber es muss wohl was dran sein.

Ich gestehe, die Vorstellung, in Zukunft Weine »aus Plastik« zu trinken, fällt schwer. Sehr schwer. Und der Glaube, dass das dann auch wirklich die besser Alternative wäre, auch. In diesem Sinne wär's mir recht, wenn die Winzerinnen und Winzer in Zukunft zumindest auf möglichst leichte Glasflaschen setzten.

Ruth
Die Sektsteuerstory Mittwoch 2015-01-14
Einen Staat zu managen, ist sicher keine leichte Sache. Zu schauen, dass sich Einnahmen und Ausgaben die Waage halten, dass die Ausgaben sinnvolle sind (wer auch immer das definiert) und die Einnahmen so lukriert werden, dass sie möglichst wenig Schaden anrichten. Auch hier ist es sicherlich sehr komplex und extrem schwierig, Auswirkungen zu berechnen und darzustellen. Schon klar. Und ich bin weitest möglich davon entfernt zu glauben, das Einnahmen-Ausgaben-System Österreichs auf neue Beine stellen zu können.eine Euro-Münze

Hie und da beschleicht mich allerdings das Gefühl, dass ein bisschen Hausverstand im einen oder anderen Fall manch (scheinbare) Fehlentscheidung verhindern hätte können.

Thema Sektsteuer. Sie wurde am 1. März 2014 wiederbelebt, nachdem sie 2005 unter Wolfgang Schüssel »auf null gestellt« wurde. Sie blieb also bestehen, brachte aber keine Einnahmen mehr. Daher war es offenbar ein Leichtes, sie letztes Jahr zu reaktivieren. Sicher viel einfacher, als hätte man sie neu einführen müssen. Ein Euro pro Liter wird eingehoben, gar nicht wenig.

Wie auch immer. Die Einnahmen sind offenbar so gering (drei Millionen Euro bis September, hochgerechnet 12 bis 15 Mio. im Jahr, Kosten für die Steuereintreibung nicht eingerechnet!), dass die ÖVP-Experten in der Reformkommission die Abschaffung der Schaumweinsteuer als »vordringliche Maßnahme« sehen. Und das nach nicht einmal einem Jahr!

Der Schaden aufgrund von Wettbewerbsnachteilen gegenüber ausländischen meist nicht besteuerten Prosecco- und Frizzante-Produzenten und Umsatzeinbußen von bis zu 30 % und den damit verbundenen Konsequenzen wir Arbeitsplätzeschwund in der Branche ist da überhaupt noch nicht berücksichtigt.

So wie jede Geschichte hat sicherlich auch die Sektsteuerstory zumindest zwei Seiten und muss von mehreren Perspektiven beleuchtet werden. Und als wehrhafte Ablehnerin von Schwarz-Weiß- oder Richtig-Falsch-Denken möchte ich auch hier kein Urteil fällen (kann ich aufgrund fehlender Fachkompetenz auch gar nicht). Irgendwie hab ich aber das Gefühl, da wurde im Überschwang potenzieller zukünftiger Einnahme-Gefühle wie so oft unüberlegt, unstrategisch und völlig willkürlich (damit halt irgendwas passiert) gehandelt. Die Kollateralschäden baden eh andere aus.

Quelle: Die Presse

Ruth

Imagine no religion. Freitag 2015-01-09

Irgendwie fällt es grad schwer, positiv zu denken, zuversichtlich in die Zukunft zu schauen, an das Gute im Menschen und auf der Welt zu glauben. Ich möchte es trotzdem tun. Und zumindest im Kleinen dafür sorgen, dass Liebe und Frieden möglich sind. Und mir vorstellen, was alles möglich wäre. So wie er.

Imagine

Ruth

Da gehen sie hin Montag 2015-01-05
Ich seh sie beide tanzend vor mir. Thierry Manoncourt, Eigentümer von Chateau Figeac in Bordeaux, wie er über 80jährig mit seiner Frau Marie-France übers Parkett gleitet. Serge Hochar, Eigentümer von Chateau Musar im Libanon, wie er mit seiner lieben Freundin Márta Wille-Baumkauff tanzt und mit mir,
Thierry Manoncourt & Serge Hochar mit Champagnergläsern
wann immer wir einander begegnet sind. Getanzt haben diese großen Männer auch mit ihren Weinen und wohl auch mit dem Leben. Jetzt sind sie beide nicht mehr. Thierry hat sich bereits 2010 auf den Weg gemacht, jetzt ist ihm Serge nachgefolgt. Wehmut und Trauer. Wehmut auch angesichts dessen, dass die Zeit der ganz großen Feste vorbei ist. Aber auch Dankbarkeit, dass ich diese Feste erleben und diese wunderbaren Männer kennenlernen durfte. Ich bin sicher, sie lächeln und tanzen.
Foto: Herbert Lehmann
syl
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> Bag-In-Box
Hier geht es um Dinge, die uns oder andere zu Recht oder Unrecht freuen oder ärgern aber auf jeden Fall bewegen. Wie der Bag-In-Box. Eine Schachtel mit Sackerl mit Flüssigkeit. In die man nun auch in Österreich Wein abfüllen darf. Was hitzige Debatten hervorruft.

Bag-In-Box also. Wussten Sie übrigens, dass sein antiker Vorläufer ein Schlauch aus Ziegenleder war und schon damals zur Aufbewahrung von Wein diente?

> Herr Rabl
Der Mann mit der feinen Klinge ist da. Alexander Rabl, pointierter Gastrokritiker des österreichischen Gourmet-Magazins A LA CARTE nun auch in der Bassena. Ab sofort und ohne Maulkorb. havel & petz übernehmen keine Haftung. Für den Herrn Rabl. Denn der Herr Rabl ist vollkommen unberechenbar.

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Purple Wine
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