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Die Übergabeprofis - die Phasen der Betriebsübergabe Freitag 2017-10-06

Die Rollen aller am Übergabeprozess Beteiligten - vorher, währenddessen und danach - haben wir geklärt. Nun geht es an den Prozess an sich. Der dauert - gut und vorausschauend geplant - nicht unter fünf Jahre, manchmal auch bis zu zehn. Oft ist anfangs noch nicht klar, welches Kind einmal übernimmt und ob überhaupt.

Blaue Trauben in Arbeitshänden, die übergeben werden

Wann beginnt nun die Betriebsnachfolge?

In Familienbetrieben beginnt diese Phase dann, wenn die Kinder noch klein sind und darüber nachgedacht wird, ob wohl eines der Kinder einmal Interesse haben wird und welches.

Ernst wird es tatsächlich kurz vor dem Eintritt des Juniorchefs/der Juniorchefin oder dem Austritt der Senioren. Empfohlen wird ein 4-zyklisches Modell:

I. Eigentümer-Managementphase
Nur die Senioren sind direkt am Weingut tätig. Der/die Nachfolger/in ist nur als Familienmitglied in das Geschehen involviert.

II. Anlern- und Entwicklungsphase
Der Familiennachwuchs wird schrittweise in das Weingut eingeführt und integriert. Bis hin zu eigenen Aufgabenbereichen - gegebenenfalls einem eigenen Weingarten oder eine eigene Abfüllung - als Vorbereitung auf die zukünftigen Nachfolgeaufgaben.

III. Eltern-Kind-Partnerschaftsphase
Beide Generationen sind gleichermaßen involviert. Der Nachfolgeprozess wird sichtbarer, es wird immer mehr Verantwortung übertragen, der/die Junior/in übernimmt Führungsaufgaben. Spätestens jetzt wird die Nachfolge konkretisiert. Auch die Mitarbeitenden erkennen zunehmend, dass eine Nachfolge ansteht.

IV. Machtübergangsphase
Die offizielle Übergabe findet statt. Die Senioren geben den Schlüssel ab. Idealerweise auch in einem symbolischen Akt und mit einem Fest.

WICHTIG: Je länger die Generationen gemeinsam das Weingut führen, umso schwieriger wird der Generationenwechsel für alle Beteiligten (auch für das Team). Der Prozess braucht seine Zeit, sollte aber zügig voranschreiten. Eine schriftliche Planung unterstützt und schafft eine transparente Basis.

=> Dass es auch unterschiedliche Varianten – auch rechtlicher Natur – gibt, darauf weisen wir im nächsten Beitrag hin.
=> Hier alle Übergabe-Beiträge gesammelt.

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Die Übergabeprofis: Das "Danach" für den Schwiegersohn Mittwoch 2017-09-06

Heute werfen wir einen Blick auf Peter, den vierten im Übergabe-Bunde. Als Ehemann von Johanna, der übernehmenden Tochter, ist er sozusagen der »unabhängige Quereinsteiger«. Wobei seine vermeintliche Unabhängigkeit natürlich sehr relativ ist.

Blaue Trauben in Arbeitshänden, die übergeben werden

Er kann sozusagen zwischen verschiedenen Rollen wählen. Jener des loyalen Ehemannes, der seiner Frau den Rücken freihält und sämtliche ihrer Entscheidungen mitträgt. Jener des außenstehenden Beraters, sei es ausschließlich für seine Frau oder auch als neutraler Vermittler zwischen den Parteien. Diese Rolle kann Peter allerdings nur dann gut einnehmen, wenn sie von allen Beteiligten akzeptiert wird. Und selbstverständlich steht es dem Schwiegersohn und Ehemann frei, als vollwertiger Mitspieler aufzutreten und seine eigene Zukunft somit mitzugestalten. Je nachdem, ob Herbert eine tragende Rolle am Weingut einnehmen möchte und wird oder nicht.

Wie auch immer Peter sich entscheidet, ein paar Tipps geben wir ihm mit:

* Peters Basis: ein klares Bild der eigenen Zukunft, das er mit seiner Frau abgestimmt hat.
* Für ihn besonders wichtig: genau hin- und zuzuhören und »zwischen den Zeilen« zu lesen. Als neues Familienmitglied fällt ihm das wahrscheinlich leichter als Johanna und ihren Eltern.
* Die laufende Kommunikation mit Johanna, um an einem Strang ziehen zu können.
* Achtung: Einzelgespräche mit den Eltern können hilfreich sein, allerdings muss das Vorgehen transparent sein. Sonst besteht die Gefahr, dass eine/r der Beteiligten ein subjektives Ungleichgewicht spürt.
* Ganz generell: offen und nachvollziehbar kommunizieren, das beugt nicht zuletzt der eigenen Instrumentalisierung vor.

Somit ist klar: Unabhängig davon, welche Rolle Peter nach der Übergabe am Weingut einnimmt, seine Rolle während des Prozesses kann er gut nützen, um unterstützend und ausgleichend zu wirken.

=> In unserem nächsten Beitrag geht es um den passenden Plan für die Übergabe der konkreten Aufgaben am Weingut.
=> Hier alle Übergabe-Beiträge gesammelt.

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Die Übergabeprofis - wie sieht es mit der Mutter aus? Sonntag 2017-08-13

Altwinzerin Angela war am Weingut fast nur im Hintergrund aktiv. Denn Herbert und sie haben die traditionelle Rollenverteilung gelebt: Der Mann hatte zuhause und am Weingut das Sagen. Sie hat sich um Haushalt und Kind gekümmert, die Buchhaltung am Weingut erledigt und bei der Lese geholfen.

Blaue Trauben in Arbeitshänden, die übergeben werden

Auch der Ab-Hof-Verkauf lag großteils in ihren Händen. Ging es dort aber um Fachliches, hieß es rasch: »Da muss ich meinen Mann holen.« Dass das Weingut nun an Tochter und Schwiegersohn übergeben werden soll, ist ihr nur recht. Endlich Ruhe! Speziell in der Erntezeit war Angela eingespannt, neben der Arbeit im Weingarten musste sie auch zweimal täglich das Leseteam bekochen, weshalb sie bis spät abends in der Küche zu tun hatte. Das soll jetzt ruhig Johanna tun!

Was deren Mann Peter betrifft, ist Angela hin und her gerissen. Einerseits ist sie stolz darauf, dass es nun einen Rechtsanwalt in der Familie gibt, und insgeheim mag sie ihn auch ganz gut leiden. Was sie so vor Herbert nie zugeben würde, der am Schwiegersohn kein gutes Haar lässt. Andererseits traut sie dem G'studierten das Winzerhandwerk nicht wirklich zu und hat Angst, dass er diesbezüglich einen schlechten Einfluss auf Tochter Johanna ausübt oder sie hängenlässt. Angela befindet sich in einem Dilemma. Am liebsten hätte sie die leidige Übergabe längst hinter sich.

Sie ist die, die dem Weingut emotional am wenigsten verbunden ist. Wahrscheinlich bleibt ihr auch in dieser Phase des Übergangs die Rolle im Hintergrund vorbehalten. Wenn sie aber möchte, kann sie dort subtil die Fäden ziehen und die Familie leiten. Und dabei


* ihre Aufgaben ganz bewusst und innerhalb eines vereinbarten Zeitraums an die junge Genereration abtreten
* noch unterstützend da sein, wenn sie – rechtzeitig – darum gebeten wird, was ihr abundzu dann auch wieder Spaß macht
* ihrer Tochter Johanna vor allem auch als Mutter zur Verfügung stehen, wenn es zu Spannungen kommt
* gemeinsam mit ihrem Mann Herbert für das Danach Pläne schmiden, weil auch sie davon proftiert und ihm das Loslassen dadurch leichter fällt
* versuchen, ihren Schwiegersohn etwas näher kennenzulernen, damit – auch auf beruflicher Ebene – mehr gegenseitiges Vertrauen entsteht. Ihn dabei zu fragen, wo und wie er sich am Weingut sieht und ob er da und dort – von wem auch immer – Hilfe braucht
* und so zwischen Mann und Schwiegersohn die Mediatorenrolle einnehmen und vermitteln
* und vor allem endlich auf sich selber schauen und überlegen, was sie mit der neu gewonnenen Zeit anfangen möchte. Auch Angela könnte noch umsatteln, etwas lernen, die Schwester auf längere Zeit in Übersee besuchen, endlich den Traum vom eigenen Gemüsegarten realisieren und das Haus modernisieren, sich um ihre Fitness & Gesundheit kümmern, sich in der Gemeinde engagieren, …
* …

Angelas Rolle ist also nur scheinbar unwichtig. Sie hat sogar einen besonderen Stellenwert, weil Angela das vermittelnde und integrative Mitglied der Familie ist. Unsere Aufgabe ist es, ihr diese Wertigkeit bewusst zu machen.

=> Wie für Schwiegersohn Peter die Situation aussieht und welche neue Rolle(n) er zukünftig übernimmt, folgt im nächsten Beitrag.
=> Hier alle Übergabe-Beiträge gesammelt.

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Die Übergabeprofis: Johannas Danach Montag 2017-07-24

Für Johanna sind für die Zeit nach der Übergabe vor allem einmal zwei Faktoren wichtig, damit die neue Lebensphase gut gelingt:

1. Ein klares Bild von der eigenen Zukunft: Was werde ich alles zu tun haben? Welche Verantwortung muss ich übernehmen? Wie werde ich meine Rolle als Chefin anlegen?

Blaue Trauben in Arbeitshänden, die übergeben werden

2. Ein klares Bild, wie das Danach für die Eltern ausschaut. Wir haben in Folge 9 die Zeit nach der Übergabe aus der Sicht des Vaters Herbert beleuchtet. Je konkreter auch über die Zukunft der Eltern gesprochen wird, desto leichter ist es für die Übernehmerin ihre eigene Zukunft zu gestalten und zu planen.

Hilfreiche Fragen betreffen zum einen ganz konkrete und pragmatische Themen:

* Wie schauen die konkreten Schritte aus, um von der aktuellen zur zukünftigen Situation zu gelangen?
* Was ist bis wann und vom wem zu erledigen? Hier empfiehlt es sich, alle Aufgaben zu sammeln und einzelnen Personen zuzuteilen.
* Welche Unterstützung von extern (Steuerberatung, juristische Beratung, ...) brauchen wir wann?
* Welches Budget veranschlagen wir dafür?
* Wie schaut die finanzielle Aufteilung nach der Übergabe aus? Wie die jeweilige Wohnsituation?
* Verfüge ich über alle notwendigen Kompetenzen für die Weingutsleitung?

Darüber hinaus sollte Johanna vor allem diese Fragen für sich selbst beantworten:

* Wie werde ich meine neue Rolle als Weingutsleiterin anlegen? Wie möchte ich mich also als Chefin positionieren?
* Hilft mir dazu eventuell eine konkrete Aus- oder Weiterbildung oder ein Coaching?
* Wie werde ich mit den »vertauschten Rollen« zwischen meinen Eltern und mir umgehen? Was kann ich dazu beitragen, dass die neue Situation für alle passt?
* Wie berücksichtige ich die Rolle meines Mannes? Was nehme ich mir vor, um Privat- und Betriebszeit auch in Zukunft gut in Balance zu halten?
* …

Diese Fragen sind natürlich nur ein Ausschnitt aus möglichen Fragestellungen und können, oder besser gesagt sollen, für die jeweils eigene Situation ergänzt werden. Jedoch unabhängig davon, wie solche Fragen im Detail aussehen, sie spielen als hilfreiches Werkzeug für beide Seiten (Übergeber/innen & Übernehmer/innen) eine wichtige Rolle.

=> Welche Rolle Mutter Angela im Übergabeprozess einnehmen kann und wie wichtig es ist, dass sie sich aktiv einbringt, lesen Sie im nächsten Beitrag.
=> Hier alle Übergabe-Beiträge gesammelt.

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Die Übergabeprofis - Herberts Danach Samstag 2017-07-08

Altwinzer Herbert hat für die Zeit nach der Weinguts-Übergabe zwei Möglichkeiten:
1. an seinem Jetzt festzuhalten und die Jungen (misstrauisch) zu beobachten oder
2. sich schon jetzt Ziele und Pläne für ein neues ausgefülltes Danach zu suchen.

Blaue Trauben in Arbeitshänden, die übergeben werden
Und wieder sind Fragen - diesmal an sich selbst - hilfreich:

* Gibt es Arbeiten am Weingut, von denen sich Tochter & Schwiegersohn weiterhin wünschen, dass ich sie übernehme? Und wenn ja, wielange und unter welchen - auch finanziellen - Bedingungen?
* Gibt es Arbeiten am Weingut, die ich selbst gerne weiter machen würde und dies mit den beiden besprechen sollte? Und wenn ja, wielange und …
* Gibt es Dinge, die ich immer schon machen wollte, mir aber immer die Zeit dafür gefehlt hat? Das können Reisen oder Hobbys sein, aber auch Ausbildungen? Oder ich könnte sogar noch umsatteln und einen neuen Beruf ergreifen?
* ist es vielleicht die Weltreise, die ich schon immer mit meiner Frau machen wollte?
* Ich könnte mich möglicherweise auch ehrenamtlich nützlich machen?
* …

Die Zeit danach wirkt mit all diesen Überlegungen viel heller und anziehender. Und wenn Herbert beschäftigt ist, kann er auch viel einfacher loslassen und die Jungen ihre Sache machen lassen. Jetzt braucht es nur noch ein wenig Planung.

=> Wie Tochter Johanna am besten an die – auch für sie – schwierige Übergabe herangeht und wie sich für sie durch die neue Rolle ihr Verhältnis zum Vater ändern kann, folgt im nächsten Beitrag.
=> Hier alle Übergabe-Beiträge gesammelt.

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