Ein letzte Traube vor einem herbstlichen Weingarten

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Rheinhessische Rarität oder der Schatz des Spaniers Mittwoch 2017-07-05
Wenn's im Büro einmal später wird, der Abend anbricht und noch Arbeit ansteht, kann's schon passieren, dass wir in den Keller hinabsteigen, um zu schauen, womit wir uns die Spätschicht versüßen könnten. Und kommen immer wieder drauf, welche Schätze wir noch haben!
BattenfeldSpanier_Frauenberg20015

Einen dieser Schätze haben wir dieser Tage gehoben. Und was für einen!

Einen Riesling Frauenberg 2005 vom Herrn Spanier aus Hohen-Sülzen. Dass der Wein schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, erkennt man vor allem am Etikett. In der Zwischenzeit gibt's zumindest schon die übernächste Variante. Und in der Zwischenzeit ist der Frauenberg ein Großes Gewächs. Was aber eigentlich nichts zur Sache tut. Denn ein Geschmackserlebnis ist der Wein so oder so.

Ein Geruchserlebnis auch: Südliche Kräuter, Minzenoten, exotische Früchte, Medizinaltöne (die ich liebe!), Bergamotte, Kardamom, Kamille. Immer noch sehr frisch, gleichzeitig ausgewogen reif.

Auch am Gaumen sehr kräuterig und würzig, Macchia, im Abgang leichte Honignoten (ein Hauch von Botryits?) und noch einmal Kamille und Minze.

Das klingt vielleicht alles ein bissel viel. Und kommt daher, dass sich der Wein im Glas ständig verändert. Und es geht gar nicht anders, als noch einmal reinzuriechen, noch einmal nachzuschmecken. Und das immer wieder. Und mit jedem Mal Reinriechen und Nachschmecken eröffnen sich neue Aromen. Das hat die werte Kollegin vor einigen Jahren schon einmal beschrieben. Und auch damals war ein Frauenberg im Glas.

Tja, was sollen wir sagen, ein Spanier wie wir ihn mögen!

BattenfeldSpanier

Ruth

Sagen Sie Neuburger zu Tinhof. Montag 2017-07-03
Winzer Erwin Tinhof hat immer schon gemacht, was die anderen nicht gemacht haben. Haben die fast ausschließlich internationale Rotweinsorten angebaut, nahm er weiß und autochthon. Oder rot und autochthon. Aber immer autochthon. Und halbe halbe, 50 % Weißwein, 50 % Rotwein.
Drei Flaschen Neuburger links am Tisch, rechts dahinter und unscharf ein paar Leute an einem Tisch

Besonders angetan hat's ihm die weiße Sorte Neuburger. Auf gerade einmal etwas mehr als 600 Hektar Rebfläche wächst dieser selten gewordene Wein in Österreich. Der nach und nach von der Winzerschaft wiederentdeckt wird, bei Erwin Tinhof aber immer schon zum Repertoire gehörte. Er widmet ihm drei Hektar Weingärten in verschiedenen kalkhaltigen Lagen am burgenländischen Leithaberg und plant, noch mehr damit anzupflanzen. Mehr darf hier aber nicht gesagt werden, es ist ja alles noch Zukunftsmusik. Und bis der Wein trägt, und gut trägt, vergehen ja auch noch ein paar Jahre.

Der Neuburger ist keiner, der einen hocharomatisch aus dem Glas anspringt. Im Gegenteil, er übt sich in diskreter Zurückhaltung, ist feinwürzig und elegant. Er trinkt sich frisch und reift aber auch gut. Anfällig für die Edelfäule Botrytis cinerea macht er zudem als Süßwein gute Figut. Und in Zeiten des Klimawandels stellt er sich, trockenheitsresistent, wie er ist, als Geschenk für die Winzerschaft heraus.

Langer Rede, kurzer Sinn. Erwin Tinhof hat einen Bären am Neuburger gefressen und füllt - wahrscheinlich als einziger Winzer Österreichs, Europas und der ganzen Welt - gleich drei Varianten: klassisch, Leithaberg DAC und einen Lagen-Neuburger von der Ried Golden Erd.

Im Rahmen eines entspannten Presse-Lunchs hat er sie einer illustren Runde im neuen Weinbistro Mast vorgestellt. Meine Favorits waren der erstaunliche klassische Neuburger 2010, der sich wie ein feiner Burgunder präsentierte, und die beiden Jahrgänge 2015 und 2016 von der Golden Erd. Schön, dass Neuburger nicht nur Leberkäse (sorry) ist. In seiner Höchstform als Wein läuft er bei Tinhof auf.

Nähere Infos zu Tinhofs Neuburgern gibt es hier. Die Weine selbst am Weingut.

Weingut Erwin Tinhof
Eisenstädter Straße 10, 7061 Trausdorf
Tel.: +43 2682 626 48 | E-Mail: wein@tinhof.at | www.tinhof.at

Foto: DER PAUL

syl

Landpartie - internationale Pet-nat-Verkostung von Gault&Millau am Geyerhof im Kremstal Sonntag 2017-06-11
Gault&Millau Österreich lud zur Landpartie. Denn »zwei Drittel aller österreichischen Haubenrestaurants finden wir am Land«. Grund, ab sofort einmal im Jahr rauszuziehen. Thema dieser ersten Landpartie war die »1. internationale Pet-nat-Verkostung«, hinzu wurden Niederösterreichs wichtigste Köche gebeten.
Feine Zucchinestreife im Karrée, darauf ein Häufchen Fülle
Gastgeber waren Ilse, Maria & Sepp Maier am wunderschönen Bioweingut Geyerhof in Oberfucha im Kremstal. Ich kam gerade rechtzeitig zum Pet-nat-Seminar von und mit Sepp Maier, Cambridge Road aus Neuseeland, Espenhof in Rheinhessen, Alwin Jurtschitsch & Martin Arndorfer mit ihrem Projekt Fuchs & Hase.
Ein Zucchinipackerl mit Zahnstochern fixiert
Pet nat ist ein ursprünglich hergestellter Schaumwein, bei dem halbvergorener Most in die Flasche kommt und dort mitsamt der Hefe fertiggärt. Rauskommt zumeist ein wunderbar frisches prickelndes Vergnügen. Am Bild mit der grünen Flaschen schaut Sepp gerade nach, wieweit die Hefe in den Hals steht.
Die Zucchinipackerl in der Pfanne mit dem Zucchinirest
Denn dieser Pet nat war noch nicht degorgiert (Entfernung der Hefe). Weshalb Sepp die Flasche auch in eine Wasserwanne hielt, damit durch den Druck der natürlichen Kohlensäure nicht allzuviel des köstlichen Sprudels verloren ging. Am Bild hier rechts die Hefe, die aus der Flasche zischt. So sieht das also aus.
Die fertig gebratenen Zucchinipackerl in der heißen Pfanne
Was zeichnet Pet nat weiters aus? Es gibt keine Vorgaben, aber ungeschriebenes Gesetz ist schwefelfreie Produktion und diese im Idealfall bio. Manche Winzer lassen sie naturtrüb, dann kann's beim Öffnen der Flasche raussprudeln wie hier. Andere degorgieren und füllen mit demselben Stoff wieder auf.
Die fertig gebratenen Zucchinipackerl in der heißen Pfanne
Und das Fest an sich? Es war bezaubernd. Das Gut Geyerhof ist wunderschön, seine Gebäude sind stilvoll in Stand gehalten, Alt fügt sich in Neu. Die Verköstigung durch die Köche war hervorragend, speziell das Fischgericht von Thomas Dorfer vom Landhaus Bacher. Auch Toni Mörwalds Schweinsbauch mit Kraut war fein.
Die fertig gebratenen Zucchinipackerl in der heißen Pfanne
33 internationale Winzer haben ihre Pet nats und Weine präsentiert, darunter viele deutsche und ein paar Italiener. Besonders spannend war Lance Redgwell mit seinen Weinen aus Neuseeland, der schon vor 16 Jahren mit Pet nats begonnen hat. Das Hasenetikett: »Because the wine is somehow psychedelic.« Stimmt!
Die fertig gebratenen Zucchinipackerl in der heißen Pfanne
Gault&Millau
www.geyerhof.at
syl
Zucchinipackerl Sonntag 2017-06-11
Manchmal kommt der Genuss ein wenig zu kurz, auch hier bei uns in der Bassena. Weshalb ihm nun wieder ein bisschen mehr Platz eingeräumt werden soll. Direkter Anlass ist das heutige sonntägliche Mittagessen, weil's so schön bunt und köstlich war. Im Web waren gebratene Zucchini-Tascherl mit Dinkelfülle aufgetaucht.
Feine Zucchinestreife im Karrée, darauf ein Häufchen Fülle
Die Körndl haben mich nicht wirklich angesprochen, die hübschen Packerl aber umso mehr. Weshalb ich eine Variante mit Couscous und gebratenen Tomaten gebastelt hab. Und so ging's: Die Tomaten mit Schalotten in Olivenöl weichschmoren, salzen und mit dem fertigen Couscous vermischen. Ein Zucchinipackerl mit Zahnstochern fixiert
Frisches Basilikum rein, nachsalzen und pfeffern. Die Zucchini mit dem Sparschäler in feine Streifen schneiden, über Kreuz auflegen und ein Häufchen Fülle draufgeben. Erst die unteren Streifen einschlagen, dann die anderen und das Packerl mit Zahnstocher fixieren. Vorsichtig ab in die Pfanne und in Olivenöl anbraten. Die Zucchinipackerl in der Pfanne mit dem Zucchinirest
Die Zucchinireste kleinschneiden, würzen und mitschmurgeln. Die Zahnstocher entfernen, wenden, fertig braten, fertig. Dazu gab's Schafjohurt. Einhellige Meinung: hervorragend! Mit gegrillten Lammkoteletts wär's noch besser. Und, Übung macht die Meisterin: Die erste Charge war nämlich nicht ganz so fotogen.
Die fertig gebratenen Zucchinipackerl in der heißen Pfanne
syl
Das Original findet sich übrigens beim Biohof Adamah. Dort mit Dinkelfülle und nicht gebraten, sondern gegrillt.
Wieder einmal Wein vom Nachbarn Freitag 2017-04-28

Endlich wieder einmal Zeit und Gelegenheit für einen Wein-Blogbeitrag. Gelegenheiten gäb's durchaus mehrere, nur leider geht das Schreiben über selbige oft unter. Shame on me.

Jedoch, die Freude ist groß, heute wird geschrieben.

Blaue Trauben in Arbeitshänden, die übergeben werden

Ich weiß nicht mehr so genau, wie diese Flasche den Weg in ihren Keller fand, doch darum soll es hier nicht gehen. Sondern – eh klar – um den Inhalt derselbigen.

Ein Großes Gewächs vom Weingut Burg Ravensburg in Östringen-Tiefenbach. Das befindet sich im sogenannten Kraichgau in Baden. Das Weingut ist eines mit Tradition, urkundlich erwähnt wurde es erstmals 1251, damit gehört es zu den ältesten Weingütern der Welt. Bekannt sind vor allem seine historischen Einzellagen wie Husarenkappe, Kapellenberg, Dicker Franz oder Löchle.

So, zurück zum Großen Gewächs. Riesling Husarenkappe 2014, also noch relativ jung. Beim ersten Reinriechen ins Glas leichte Kräuternoten und Zitrusfrüchte, eine vage Assoziation mit Rieslingen vom Kalk. Aber irgendwas ist anders, lässt sich für mich aber nicht zuordnen. Ich werde neugierig und muss sofort googeln. Und was lese ich? Dass am Weingut ökologisch gearbeitet wird. Dass die Rebstöcke dieses Weins über 40 Jahre alt sind. Und – dass sie auf Gips wachsen. Genauer genommen auf 220 Millionen Jahren altem Gipskeuperboden. Die Weinguts-Website meint: »Ein Wein von außerordentlicher Aromenfülle und Terroircharakter, der seine frische Säure und seine besondere Lagerfähigkeit dem hohen Gipsgehalt des Bodens verdankt.«

Auch am Gaumen finden sich für mich Zitrusaromen, der Wein ist straff und mineralisch, die Lust auf den nächsten Schluck kommt wie von selbst. Blöd nur, dass das die einzige Flasche dieser – für mich – Neuentdeckung im Keller war.

Zum Weingut Burg Ravensburg

Ruth

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